Ist ein deutsches Internet eine gute Idee?

Ein Widerspruch in sich ist ja sprachlich schon lustig, zumindest solange man es nicht ernst meint. Da ist der schwarze Schimmel nur eines unter vielen gern genommen Wortspielen. Wikipedia hilft uns mit einem passenden Fachbegriff aus: Oxymoron. So klingt der dumme Begriff doch gleich etwas gebildeter.

Aber es ist zu befürchten, dass ein „Deutsches Internet“ auch mit noch so viel Latein nicht so gut wegkommt. Warum ein rein deutsches Internet eine saudumme Idee ist, können wir uns schon anhand der bisherigen (!) täglichen Erfahrung ausmalen. Die Frage dazu ist ganz einfach: Welche Seiten schauen Sie sich täglich an? Sind da so populäre dabei wie die Suchmaschine Google, deren Videoportal Youtube oder weiterer Dienste wie G+, Kalender etc.? Oder die Foto-Community Flickr? Sie sehen schon, einige dieser Seiten tragen gar kein .de am Ende, so dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit existiert, dass dies keine deutschen Seiten sind.

Woran machen wir aber fest, was eine deutsche Internetseite ist und was nicht? Spielt die Domain eine Rolle, oder die Frage wo der Server steht? Muss ein .de-Server grundsätzlich in Deutschland stehen oder könnte der z.B. auch Daten von einem Server aus den USA unter deutscher Flagge anzeigen? Kristian Köhntopp hat das wunderbar in seinem Beitrag auf Golem dargelegt.

Aber ich erinnere mich dunkel, dass die Idee eines deutschen Internets nicht vollkommen neu ist. Ich glaube es war in den 90er Jahren, als besagtes germany.net (Wikipedia weiß alles) mit der Idee auftrat, deutsche Webseiten kostenfrei auszuliefern, während der Zugriff auf internationale Webseiten für eine geringe Gebühr freischaltungspflichtig war. Doch was damals aus Kostengründen geradezu revolutionär war, erscheint heute reichlich blauäugig. Wer glaubt noch in einer stark vernetzten Welt daran, dass Nationalitäten hier einen Alleingang erfolgreich durchziehen können und das von den Usern angenommen wird?

Der nächste Shitstorm steht schon in voller Blüte: #schlandnet, wir kommen :-)


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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