Digitalisierung im Medizinbereich

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Stethoskop und Computer (Symbolfoto)Gerade wird wieder über die Digitalisierung in Deutschland geredet, und meistens in abfälliger Weise. Angeblich haben ja die Flüchtlinge aus der Ukraine mal so nebenbei ihre Online-Unterrichtssysteme in Deutschland wieder in Betrieb genommen und unterrichten ihre Schüler vom Exil aus einfach weiter, als wäre nichts geschehen. Und Deutschland hat es auch in zwei Jahren pandemie-bedingter Einschränkungen nicht hinbekommen, so ein System auch nur im Ansatz aufzusetzen. Was geht da bei uns ab – oder besser gesagt: nicht ab?

Was ich entdeckt habe

Als wir vor sicher schon 20 Jahren in Dänemark Urlaub machten, gab es ein Problem, so dass wir einen Arzt aufsuchen mussten. Das verordnete Medikament wurde uns dann in einer Apotheke ausgehändigt, einfach so, nur durch Nennung des Namens. Der Arzt hatte das Rezept elektronisch übermittelt, die Apotheke es auf dem selben Weg abgerufen. Kein Stück Papier war dazu nötig.

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Es scheint im Medizinbereich inzwischen auch in Deutschland so einiges zu geben, von dem man als Patient aber eher zufällig erfährt. Leider muss ich dazu sagen, dass die Anregungen zu dem, was ich gefunden habe, keineswegs von Seiten der Ärzte gekommen sind.

E-Rezept

Dem oben geschilderten Erlebnis entspricht am ehesten das E-Rezept. Ich brauche dazu eine spezielle App und muss mich bei dem Dienst anmelden. Dafür brauche ich eine Versichertenkarte mit wiederum speziellem Code, die NFC-fähig ist. Und wenn auch der Arzt das kann, dann wird das Rezept nicht mehr auf Papier gedruckt, sondern per Datenübertragung an die Apotheke geschickt. Damit ich die Medikamente dann auch bekomme, muss ich dort einen QR-Code vorzeigen, den ich aus dem Gematik-Netz direkt in besagte App geschickt bekomme.

Ich bin mal gespannt, ob das alles so funktioniert.

E-Krankschreibung

Gerüchteweise hört man schon von Einzelfällen, bei denen der Arzt die Krankmeldung irgendwie “direkt” an Krankenkasse und vielleicht sogar den Arbeitgeber übermittelt hat, angeblich per eMail. Na ja, wie gesagt: Gerüchte.

Theoretisch sollte das gar nicht so schwierig sein. Und die Tatsache, dass Patient, Arbeitgeber und Krankenkasse in der Papierform drei verschiedene Zettel mit jeweils leicht unterschiedlicher Datenmenge erhalten, ist digital natürlich genauso gut lösbar. Aber vielleicht will man gerade Krankschreibungen nicht zu einfach machen :-)

Medikationscode (Matrix-QR-Code)

Der gedruckte Medikationsplan enthält neben den menschenlesbaren Informationen auch noch einen QR-Code. Dieser sieht ein wenig anders aus als die in meinem Artikel Die QR-Code-Invasion aufgeführten Beispiele. Der Plan enthält (lesbar und im QR-Code) alle verordneten Medikamente und deren Dosierungen, außerdem den Namen des Patienten und des behandelnden Arztes einschließlich dessen Kontaktdaten.

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Der Code lässt sich dann mit einer App wie z.B. MyTherapy scannen, wodurch der Therapieplan dann elektronisch vorliegt und das Smartphone Erinnerungen für die Einnahme oder die Durchführung von Maßnahmen ausgeben kann.

Aber nicht nur ich, auch der Notarzt oder das Krankenhaus kann diesen Code scannen und mich dann sofort optimal behandeln. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn ich gerade nicht ansprechbar bin.

Dieser Plan ist offenbar Pflicht seit dem 1.10.2016, am 1.4.2017 endete eine Übergangsfrist, nach der die Ärzte diesen Plan nutzen müssen, seit 1.1.2019 “haben die Patienten gemäß § 31a Absatz 3 SGB V einen gesetzlichen Anspruch gegenüber Ärzten und Apotheken auf elektronisch ausgestellte und aktualisierte Medikationspläne” (Deutsche Apotheker-Zeitung 12/2017, Seite 16).

Interessant ist, dass ich erst im Februar 2022 zufällig darauf gestoßen bin. Bisher hat kein behandelnder Arzt mir von sich aus einen solchen Plan ausgestellt. Auf Anforderung habe ich ihn dann jedoch problemlos erhalten – nur leider mit teilweise falschen Angaben. Aber das ist natürlich eine Frage der richtigen Eingabe, nicht des Verfahrens selbst.

Elektronische Patientenakte

Viel wurde diskutiert, die spezielle Krankenkassenkarte mit Chip und Bild wurde gegen zahlreiche Widerstände eingeführt, und nun? Wo ist meine digitale Patientenakte, und wie komme ich da ran?

Mit meiner Versichertenkarte kann ich darauf zugreifen, aber offenbar dient das nur dazu, dass ich selbst Dokumente dort ablegen kann. Eine Möglichkeit, beispielsweise dem Notarzt einen einfachen Zugang zu verschaffen, habe ich noch nicht gefunden.

Was man sonst noch machen könnte

Praxisorganisation

Gerade in Corona-Zeiten kam es häufiger vor, dass man als Patient außerhalb der Praxis warten musste. Schon in normalen Zeiten erschien es nicht besonders sinnvoll, die verschiedenen Krankheitsbilder im engen und schlecht belüfteten Wartezimmer zusammenzupferchen. Die gegenseitige Ansteckungsgefahr war schon vor Corona je nach Krankheit unnötig hoch. Corona hat das ganze noch verschärft, so dass nun endlich mal reagiert werden musste.

Mindestens eine Praxis hat bereits ein System eingeführt, das ich von einem Restaurantbetrieb aus Göttingen kannte. Das Essen wurde individuell zubereitet, und jeder Gast bekam einen “Pieper”, der sich meldete, wenn es fertig war. Das Prinzip ist natürlich für eine Arztpraxis genauso tauglich, man muss es halt nur wollen.

Dazu muss man natürlich nicht unbedingt neue Hardware erfinden. Schließlich tragen wir doch inzwischen alle ein Signalgerät mit uns herum: das Smartphone. Entweder eine spezielle App oder auch ein Standard-Messenger wie Threema würden völlig ausreichen, sogar eine SMS würde funktionieren. Man muss nur die Benachrichtigungstöne des Smartphones ausreichend laut einstellen.

Bei Threema muss sogar noch nicht einmal die Handynummer herausgegeben werden, und mit “Threema-Business” ist sicher auch die Anbindung an das Praxissystem leicht zu bewerkstelligen.

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