Gutes Equipment ist die billigste Investition

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Nehmen wir mal an, du würdest einen Handwerker bestellen, der etwas in deiner Wohnung reparieren soll. Die Heizung vielleicht, oder etwas an der Wasserinstallation. Der Handwerker kommt und schleppt einen dicken Werkzeugkasten ins Haus. Und du sagst: „Hey, lass das Zeugs draußen, ich hab alles, was du brauchst!“ Und dann zeigst du ihm stolz dein „Equipment“:

  • einen Vorschlaghammer
    Den hast du günstig aus einem Restpostenmarkt. Der Stil ist schon etwas morsch, aber das Eisen ist gut in Schuss, nur etwas verrostet. Und wenn der Typ sagt, das sei für feinere Arbeiten nicht geeignet, hältst du ihm vor, er müsse einfach nur ein wenig vorsichtiger zu Werke gehen.
  • einen Engländer
    Das ist ein verstellbarer Schraubenschlüssel, so eine Art „one-in-hundred“. Super Investition, da spart man sich kiloweise Werkzeug! Der soll mal nicht so undankbar sein, seit wann ist Sparsamkeit denn schlecht?
  • einen Spannungsprüfer
    Auch dieses Ding ist genial, es ist Schraubendreher und Phasenprüfer in einem. Wieder was gespart. Und wenn er eine dickere Schraube lösen muss, dann gibt es immer noch den Engländer, der zugleich noch als verstellbare Kombizange taugt.
  • und zuguterletzt noch eine Rolle Isoband
    Das kann man immer gebrauchen, ob nun zum Abdichten einer Gasleitung oder des Schraubgewindes einer Wasserleitung. Geht immer.

Der Handwerker, würde er so etwas jemals erleben, würde vermutlich herzlich lachen, sich auf dem Absatz umdrehen und deine Heizung Heizung sein lassen. Und er hätte mein vollstes Verständnis für dieses Verhalten.

Aber Softwareentwicklern will man ernsthaft erklären, ein guter ASCII-Editor wie UltraEdit ist zu teuer, Notepad tut’s auch? Oder ein XML-Editor wie Altova XML Spy soll nicht besser sein als Notepad (denn schließlich ist XML ja auch nix anderes als Klartext)? Warum eigentlich Notepad? Na weil es bei Windows schon kostenlos dabei ist! Reicht doch! Was wollen Sie denn mit MZ-Tools, OASIS und AccUnit? Und Internet – wer braucht schon dieses Internet? Das wird doch eh nur zum Surfen benutzt! Die sollen arbeiten, die Entwickler, nicht rumklicken! Was? Informationen sucht ihr da? Im Internet? Wie bescheuert ist das denn?

Dabei habe ich nur die kostenpflichtigen Programme (abgesehen von AccUnit) erwähnt. Gut dass es vieles inzwischen als Open Source gibt, sonst wäre die Liste noch um einiges länger. Dabei will ich keinesfalls sagen, dass die ihr Geld nicht wert wären!

Ok, schalten wir mal einen Gang zurück, das war natürlich mal wieder hoffnungslos übertrieben. Sowas macht heute ja niemand mehr, Gottseidank nicht. Aber in den 90ern, als das Internet in Deutschland so langsam Fuß fasste, da hatte ich Diskussionen wie diese tatsächlich. „Sie können immerhin fast unbeschränkt am eMail-Verkehr teilnehmen, das muss genügen!“ So oder ähnlich lauteten die Rechtfertigungen gegen einen Internetzugang. Aber der Abteilungsleiter, der hatte Internet (und fühlte sich toll damit). Gut, dass Internetzugang heute kein Prestigeobjekt mehr ist.

Was John Sonmez und ich damit sagen wollen: Es gibt fast keine bessere Investition als in richtiges Arbeitsmaterial. Das ist Nummer 5 der Sieben Dinge, die dein Boss nicht über Softwareentwicklung weiß. Sei es eine schnelle Maschine, ein zweiter Monitor oder vernünftige Software-Tools. Was machen schon ein paar hundert oder tausend Euro einmaliger Kosten aus, wenn der Softie mit einem Jahresgehalt von einigen Zigtausend Euro damit effizienter arbeiten kann?

Selbst mir als „Externem“ wird in der Regel das gleiche Zeugs zur Verfügung gestellt wie einem „Internen“, und das ohne Diskussionen. Meine Kunden, bei denen ich häufiger bin, wissen und wussten (seit längerem), wie wichtig gutes Werkzeug ist. Und sollte sich jemand mal wirklich nicht überreden lassen, weil er meint, Balsamiq oder MZ-Tools 8.0 seien überflüssig, weil Visio und das kostenlose MZ-Tools 3.0 genauso gut seien, dann lizensiere ich es einfach für mich persönlich und nutze es trotzdem. Denn letztlich macht es auch viel mehr Spaß, mit dem richtigen Werkzeug zu arbeiten. Und Spaß ist mir mindestens genauso wichtig wie Geld verdienen.

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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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