Ubuntu Linux installieren

Es kann wohl als bekannt vorausgesetzt werden, dass man heute ein Leben lang nicht mehr um das Lernen herum kommt. Was Schule, Lehre oder Studium uns vermitteln, reicht nach einigen Jahren kaum noch als Grundstock. Das ist in vielen Bereichen der Fall, und es gilt erst recht in der “IT”, einer Branche, die sich vermutlich schneller entwickelt hat, als jede andere – und dies immer noch tut! “Die zwei Seiten der IT” mag durchaus auch so verstanden werden, dass es immer neue “Seiten” zu entdecken gibt. Darum geht es unter anderem in diesem Artikel.

Vorbemerkung

Im Verlaufe der Installation (und später vielleicht auch) werden diverse Passwörter anzulegen sein. Es kann helfen, sich diese an separater Stelle zu notieren. Auch wenn wir glauben, uns noch an alles zu erinnern, werden wir diese Passwörter in Zukunft nur selten wirklich benötigen. Das Risiko des Vergessens ist einfach zu groß, wenn man etwas nicht täglich benötigt. Keepass (bzw. KeepassX auf Linux) ist eine gute Stelle dafür. Dort kann man z.B. eine eigene Gruppe anlegen, um alle Passwörter für diesen Server zu sammeln.

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Motivation

Warum tut man sich das an, ein neues Betriebssystem zu installieren und sich mit neuen Techniken vertraut zu machen? Nun, so ganz neu ist Linux für mich nicht. Genau genommen entstand die Beschäftigung damit aus der Verärgerung über Windows Vista heraus. Heute läuft im Büro Windows nur noch in dem Fenster – Nomen est Omen :-) – einer virtuellen Maschine.

Der konkrete Anlass war aber ein Kunde, der gegen die Benutzung von GitLab.com aufgrund möglicher us-amerikanischer Verstrickungen sein Veto eingelegt hatte. Leider mag mein aktueller lokaler Internetprovider mir keine öffentlich erreichbare IP-Adresse bereit stellen. Angeblich sei das aus technischen Gründen momentan nicht möglich. Also brauche ich eine lokale Installation von Gitlab, aber dazu später mehr.

Los geht’s

Zunächst wird ein aktuelles Ubuntu (LTS) heruntergeladen und die ISO-Datei auf eine DVD gebrannt (das kann auch auf einem Windows-System gemacht werden).

Als Zielobjekt findet ein älterer Rechner Verwendung. Die Hardware ist nicht mehr so ganz auf dem Stand und die Festplatte hat “nur” 1 TB, aber das sollte vorerst genügen. Während der Installation benötige ich anfänglich einen Monitor und eine Tastatur. Eine Maus ist nicht erforderlich, da der Ubuntu-Server ohnehin keine graphische Oberfläche hat. Wozu auch, später steht er eh nur in der Gegend herum. Strom und Netzwerk sind dann alles, was er braucht, da die Administration genauso gut über das Netzwerk erfolgen kann.

Nun denn, DVD einlegen und davon booten. Der Rest ist Menügeführt:

  • Sprache und Tastaturlayout wählen (Cursortasten zum Bewegen, ENTER zum auswählen)
  • Name des Rechners eingeben (nur ein Wort)
  • Benutzerdaten eingeben

Es ist übrigens egal, ob wir den selben Login-Namen wie auf der Arbeitsmaschine verwenden oder einen anderen wählen. Nur merken sollten wir ihn uns, und natürlich das Passwort – siehe oben. Jenes sollte übrigens ruhig anspruchsvoll sein, wir brauchen es eh nur im Notfall (außer bei administrativen Aktionen). Bis dahin sollte es aber nicht zu einfach zu erraten sein. “Test” wäre also eine echt doofe Idee.

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  • Zeitzone (ggf. ändern und) bestätigen
  • Vollständige Festplatte für den Server verwenden

Eventuelle Meldungen bezüglich vorhandener Daten auf der Festplatte bitte sorgfältig lesen und im Sinne der vollständigen Verwendung der Festplatte für den neuen Server beantworten. Lass dir Zeit dabei und überlege dir gut, was du tust, niemand drängt dich!

  • Software auswählen, die vorinstalliert werden soll

Empfehlung: Mindestens den OpenSSH Server auswählen, denn das erleichtert die spätere Administration über SSH.

Nun wird man aufgefordert, die DVD zu entfernen. Zu diesem Zweck wird die Laufwerkschublade geöffnet.

Nach dem Reboot meldet sich das System mit einem schwarzen Bildschirm, auf dem lediglich eine kurze Aufforderung zum Login steht. Die Konsole – das ist von nun an unsere (Server-)Welt.

Nun versuchen wir, uns von unserer Arbeitsmaschine (ebenfalls ein Linux, aber eins mit graphischer Oberfläche) per ssh auf dem neuen Server einzuloggen. Öffne eine Konsole und gib ein:

ssh scotty@enterprise

In diesem Beispiel wird dann das Passwort des Users “scotty” auf dem Rechner “enterprise” abgefragt. In der Realität nehmen wir natürlich die oben während der Installation festgelegten Daten. Um in Zukunft schneller und sicherer zu erledigen, können wir unseren SSH-Key auf den neuen Server schieben. Falls noch kein Key existiert, ist er mit ssh-key-gen schnell erzeugt.

Dazu müssen wir uns wieder ausloggen (Strg+d), damit wir wieder auf dem Rechner sind, der den Key enthält. Nun also:

ssh-copy-id scotty@enterprise

Noch ein letztes mal das Passwort für Scotty eingeben.

Jetzt noch eine Kleinigkeit: Wir können ssh mitteilen, dass wir beim Login auf einer anderen Maschine dort einen anderen Usernamen haben. Dazu öffnen wir in einem Texteditor die Datei ~/.ssh/config und fügen folgende zwei Zeilen ein (die eingerückte Zeile mit einem TAB):

Host enterprise
    User scotty

Die Schlange steht unter Linux übrigens als Kurzbezeichnung für das Home-Verzeichnis des angemeldeten Users. Ein Verzeichnis, das mit einem Punkt beginnt, ist hier ausgeblendet (Windows verwendet ein Attribut dafür). Diese Dateien oder Verzeichnisse können mit Strg+h ein- und ausgeblendet werden.

Ab jetzt reicht das Kommando ssh enterprise aus, um auf dem Server arbeiten zu können, denn ssh verwendet nun automatisch den User “scotty”, wenn es um den Host “enterprise” geht, und identifiziert uns durch den SSH-Key. Allerdings wird Ubuntu sich beim ersten Loginversuch beschweren, dass der Host-Fingerprint unbekannt sei. Diesen sogenannten “ECDSA key fingerprint” beschaffen wir uns auf dem neuen Server, indem wir uns dort nochmal auf herkömmliche Weise einloggen (z.B. mit der noch immer angeschlossenen Tastatur) und dort das Kommando ssh-keygen -l -f /etc/ssh/ssh_host_ecdsa_key.pub ausführen. Der angezeigte Key sollte mit dem in der vorigen Meldung angezeigten übereinstimmen. Dann bestätigen wir, dass das alles seine Richtigkeit hat.

Jetzt (und in Zukunft regelmäßig) sollten wir noch das System auf den neuesten Stand bringen. Das probieren wir gleich mal über den SSH-Zugang:

ich@MeinRechner:~$ ssh enterprise
scotty@Enterprise:~$ sudo apt update
scotty@Enterprise:~$ sudo apt upgrade
scotty@Enterprise:~$ sudo apt autoclean

Unter Umständen ist auch noch einsudo apt dist-upgrade nötig. Diese Steps können jeweils ein wenig dauern. Danach ist unter Umständen ein Neustart fällig (sudo reboot). Währenddessen bricht natürlich unsere SSH-Verbindung zusammen und muss wieder geöffnet werden, nachdem der Server wieder online ist (das kann durchaus die eine oder andere Minute dauern).

scotty@Enterprise:~$ sudo reboot
Connection to enterprise closed by remote host.
Connection to enterprise closed.
ich@MeinRechner:~$

Auch ein Blick auf diesen Artikel kann hilfreich sein.

Soweit die Vorbereitungen. Jetzt haben wir einen Server und können uns daran machen, alles darauf zu installieren, was wir brauchen. Das Faszinierendste an einem Linux-System zum Schluss. Beim Login teilt mir das System etwas über seinen Ressourcenverbrauch mit (Hervorhebung durch mich).

System load: 0.13 Processes: 134
 Usage of /: 0.7% of 915.89GB
 Users logged in: 0
 Memory usage: 2%
 IP address for enp5s0: 192.168.***.***
 Swap usage: 0%

Nur 0,7 % der Festplattenkapazität von 1 TB sind gegenwärtig belegt. Ubuntu Linux braucht also nicht mal 6,5 GB! Bei Windows ist das deutlich mehr.

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