Herbstlaub

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Ich habe gerade gelesen, dass die nächste Ubuntu-Version verfügbar ist. Werde sie mal installieren, während ich diesen Blogartikel schreibe. Bis später dann …

Ubuntu 17.04? Lustige Nummer. Die erinnert mich an meine erste Konfrontation mit einem Virus. Mit Ubuntu hat das natürlich nichts zu tun, das gab’s damals noch gar nicht. Der Virus wiederum hatte vermutlich auch keine nennenswerten Auswirkungen auf die reale Welt, aller höchstens indirekt.

Es war die Zeit, in der Festplatten gerade mal erfunden waren. In „tragbaren“ Geräten waren sie aber noch nicht die Regel. Übrigens entstand der Begriff „Schlepptopp“ als Verballhornung des neumodischen „Laptop“ ungefähr zu dieser Zeit. Was man damals halt so „tragbar“ nannte …

Ich hatte diverse Computerkurse für einen heute nicht mehr existierenden Bildungsträger durchgeführt. Die Geräte bestanden aus Tastatur und Bildschirm und hatten zwei 3,5″-Diskettenlaufwerke verbaut. Diese hatten in MS-DOS die Laufwerksbuchstaben „A:“ und „B:“. Die Festplatten erhielten dafür folgerichtig „C:“ und die noch viel späteren CD- und DVD-Laufwerke dann „D:“. Das ist bis heute so geblieben, und A und B bleiben meist ungenutzt (obwohl das keinesfalls so sein muss). Linux kommt übrigens ohne „Laufwerke“ aus.

Die beiden Diskettenlaufwerke haben wir im Seminar für die Systemdiskette (A:) und die Programm- und Datendiskette (B:) genutzt. Auf A: war MS-DOS aufgespielt, auf B: das Textverarbeitungsprogramm und die Texte.

Ich erklärte den Teilnehmern, dass MS-DOS möglichst nicht verändert werden solle und wir daher am besten den Schreibschutz für die Systemdiskette aktivieren sollten. Das war ein einfacher Schieber in der Diskette, und nachdem das getan war, weigerte sich das Laufwerk, irgend etwas auf diese Diskette zu schreiben. So konnte MS-DOS von dieser Diskette gestartet werden, aber auch eine versehentliche Veränderung war ausgeschlossen.

Wir arbeiteten in dem Seminar also mit einem Textverarbeitungsprogramm, das von Laufwerk B: geladen wurde. Das ging längere Zeit gut, bis eines Tages dann ein Teilnehmer fragte, was diese Meldung zu bedeuten habe. Ich habe leider keinen Screenshot gemacht und das Smartphone war auch noch nicht erfunden. Es handelte sich um die Fehlermeldung, dass das Textverarbeitungsprogramm auf Laufwerk A: nicht schreiben kann, und man solle doch bitte den Schreibschutz entfernen.

Ich dachte erst, der Teilnehmer hätte den Startbefehl für das Programm falsch eingetippt, aber das war nicht der Fall. Also nahm ich seine Diskette mit nach Hause und lies dort einen Virenscanner drüber laufen. Und in der Tat, dieser fand den Virus „1704“, auch „Herbstlaub“ genannt.

Obwohl es im Kursplan eigentlich nicht vorgesehen war, baute ich dann am nächsten Abend spontan eine kleine Einheit zum Thema Computerviren ein. Und ich erklärte, dass dieser einfache Schalter an der Diskette im Laufwerk A: den Schaden erfolgreich begrenzen konnte.

Heute ist es zwar nicht mehr so einfach, aber immer noch gilt: Ein wenig Paranoia hat noch niemandem geschadet 🙂


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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