Vorinstallierte Software

Was auf den ersten Blick nützlich erscheint, entpuppt sich nach genauerem Hinsehen auch schon mal als Fake. Es ist in Wahrheit ein Anfixer, eine kostenlose Beigabe zu einem Stück bezahlter Hardware, die so mancher unter uns vielleicht gar nicht haben will.

Es ist im Grunde verständlich: Wenn ein Hersteller es schafft, seine Produkte beim Verkauf von Hardware vorinstalliert zu bekommen, kann er jedem Computerkäufer sofort demonstrieren, wozu seine Software fähig ist. Windows ist ein altbekanntes Beispiel, und auch von Virenscannern kennt man das schon lange. Diverse Softwarehersteller werden nicht müde, hierbei ihre Lobbyarbeit zu verrichten. Dadurch — so der Gedanke — verleiten sie den Anwender eher, die Software zu „registrieren“, was nur ein Euphemismus für „kaufen“ ist. Oder auch nicht, denn es kann durchaus sein, dass die Software nicht so funktioniert, wie der Anwender es gerne hätte. Dann fliegt sie schneller wieder aus dem Portfolio, als es sich der Hersteller hätte träumen lassen. Immerhin: So schnell Klarheit zu bekommen, liegt durchaus im Interesse des Anwenders. Danke dafür!

Bei Open Source ist dies eher selten der Fall (ich wüsste jetzt unter Windows auf Anhieb keine einzige Software), aber die Motivation bei Bezahlsoftware dürfte jedem sofort einleuchten. „30 Tage kostenlos testen“ klingt auf den ersten Blick wie eine nahezu endlose Phase sorgloser Arbeit mit etwas, das ich eigentlich bezahlen müsste. Wer sich des begrenzten Zeitraumes bewusst ist, wird vielleicht umso intensiver damit arbeiten, um dann am Tag 31 festzustellen, dass es jetzt doch echt schade wäre, damit wieder aufzuhören. Und genau das ist der Plan. Verbunden mit der Zwangsanmeldung (sonst hätte man ja keine echte Kontrolle) und vielleicht sogar der Erlaubnis, das Nutzungsverhalten „zu Optimierungszwecken“ beobachten zu dürfen, entsteht beim Hersteller sehr interessantes Datenmaterial.

Dass das bei Software so schön einfach ist, erleichtert die Sache natürlich. Ich frage mich nur, ob wir genauso begeistert reagieren würden, wenn beim Kauf eines Einfamilienhauses diverse Küchengeräte, mit dem Aufkleber „30 Tage kostenlos testen“ versehen, vorinstalliert wären. Die Drohung, sie nach einem Monat wieder abzuholen, würde sicher viele Käufer abschrecken. Aber bei Software lassen wir es einfach so geschehen. Denkt mal drüber nach!

Probleme

Das vorinstallierte Access 2016 auf meinem neuen Notebook jedenfalls sieht nur auf der Oberfläche aus wie ein „richtiges“ Access. Sobald ich jedoch aus der Sicht eines Entwicklers darauf schaue, erkenne ich eine massive Ungereimtheit: Ich kann meine zusätzlich installierten Tools entweder nicht finden, oder sie gar nicht erst installieren. Die MZ-Tools lassen sich installieren, sind aber nach einigen anfänglichen Einstellungen beim nächsten Start wieder verschwunden. Und OASIS verweigert komplett die Installation, weil es kein installiertes Access erkennt.

Bei näherem Hinsehen fehlen bei der Installation dieser „Microsoft Office Desktop Apps“ diverse Registry-Schlüssel. Einen davon nutzt OASIS, um die Access-Installation zu erkennen. Da dieser Schlüssel im vorliegenden Fall nicht vorhanden ist, verweigert das Setup verständlicherweise die Installation.

Hätte ich mich nicht schon länger mit Access beschäftigt und wäre von dessen Nutzwert überzeugt, dann wäre ich aufgrund dieser Einschränkung möglicherweise zu dem Schluss gekommen, dass Access für meine Zwecke nicht geeignet ist. My dear Watson Gates, that’s not what you really want, isn’t it?


Dieser Artikel wurde zuerst am 1.4.2018 auf edv3.de veröffentlicht. Da diese Domain jedoch keinerlei Resonanz erfuhr, habe ich ihn nach hier übertragen.

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