Wochenschau 39/2020

Nach längerer Pause habe ich mal wieder eine Wochenschau zusammengestellt. Den wöchentlichen Rhythmus fand ich seinerzeit doch etwas belastend, daher werde ich die Reihe jetzt nur noch sporadisch fortsetzen. Ich glaube aber, ich bleibe bei dem Begriff “Wochenschau”, denn alle anderen Begriffe, die mir bislang in den Sinn gekommen sind, klingen irgendwie zu holprig. Also denn, viel Spaß bei der “Alle-paar-Wochen-Schau” :-)

Alles was machbar ist, wird auch gemacht

Es ist schon fast ein geflügeltes Wort. Als der Staats- und Parteichef der DDR Walter Ulbricht 1961 in einer Pressekonferenz sagte “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!”, dauerte es gerade mal zwei Monate, und das Gegenteil war passiert. Vielleicht war diese plakative Aussage, die so schnell Lügen gestraft wurde, sogar von Vorteil. Wann immer ein Politiker mit allem Nachdruck etwas leugnet, hat man den Eindruck, dass alles, was vehement abgestritten wird, über kurz oder lang doch eingeführt wird.

Da denkt man unweigerlich an Helmut Kohls Versprechen “es wird keine Steuererhöhungen mit der deutschen Einheit geben” und an Norbert Blüms “die Renten sind sicher”. Vielleicht wird auch die PKW-Maut, der Corona-Immunitätsausweis und die einheitliche Personenkennziffer eines Tages doch noch eingeführt.

Da konnte ja keiner mit rechnen!

Vernetzte Autos

Immer mehr Technik wandert in unsere Fahrzeuge, insbesondere Computertechnik. Spätestens seit der 5G-Diskussion wurde die Idee in den Raum gestellt, die Fahrzeuge miteinander kommunizieren zu lassen. Wenn der erste einer Schlange zum Beispiel scharf bremsen muss, könnte dies per Datenkommunikation an die nachfolgenden Fahrzeuge übertragen werden. Diese könnten dann parallel zum ersten Fahrzeug ihre Geschwindigkeit reduzieren, anstatt zeitverzögert und noch dazu mit menschlicher Reaktionszeit belastet.

Das gleiche Verfahren könnte helfen, überraschende Glätte zu melden, so dass nachfolgende Autos dann die Kurve bereits langsamer durchfahren. Der Gedanke, Wettermeldungen auch direkt an eine Zentrale Stelle zu melden, von wo sie an alle interessierten weitergegeben werden kann, ist da gar nicht mehr so fern. Auch Staumeldungen und die Verkehrsdichte könnten auf diese Weise dort erfasst werden, wo die Daten auch entstehen. Was spräche dagegen? Im Navi ist mein Account eingeloggt, und es leitet mich sicher um fast jeden Stau herum. Dazu muss es natürlich wissen, wo ich gerade bin und was die anderen so machen.

Was am Anfang noch verlockend klingt, ruft natürlich immer auch Datenschützer auf den Plan. Die Frage, welche Informationen hierbei mit übertragen werden und ob der einzelne Fahrer dadurch identifizierbar und somit verfolgbar ist, muss natürlich gleich zu Beginn gestellt werden. In diesem Artikel auf Heise online geht es aber um die Frage der Sicherheit. Könnte ein Fahrzeug mit einer solchen Schnittstelle evtl. auch für Hacker interessant sein? Es wäre überraschend, wenn es anders wäre.

Navigation

Das Sternbild Orion

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Eine andere Art der Navigation betrifft die Raumfahrt. In Science-Fiction-Romanen, die im Weltraum spielen, wird gelegentlich auch über die Navigation gesprochen. Ab und zu kommen mal Leute darin vor, die sich da draußen einfach so anhand der “bekannten” Sternkonstellationen zurechtfinden können. In einem Fall erinnere ich mich sogar an die Beschreibung, dass die betreffende Person nur aus dem Fenster seiner Kabine hinausschauen musste, um den Kurs zu ermitteln (der eigentlich geheim bleiben sollte).

Dass das nicht ganz so einfach ist, je nachdem wo man so rumgurkt, illustriert diese aktuelle Zeichnung der NASA. Denn was für uns wie ein leicht erkennbares Sternbild aussieht, macht einen völlig anderen Eindruck, wenn man ein paar Lichtjahre weiter draußen ist. Aber das sind sicher keine Probleme, mit denen sich ein zeitgenössischer Mensch herumschlagen müsste.

Beteigeuze, der linke obere Eckstern des Orion-Sternbildes hat uns ja vor einiger Zeit ein wenig Sorgen gemacht, als er in seiner Leuchtstärke massiv abgenommen hatte.

Der rechte obere Gürtelstern des Orion, “Mintaka”, kommt übrigens sogar in Raumschiff Enterprise – Next Generation vor. Die Enterprise findet auf deren dritten Planeten eine humanoide pro-vulkanische Zivilisation, die zwar sehr logisch denkt, aber in Gefahr ist, in einen Zustand des Aberglaubens abzudriften. Und das nur, weil jemand davon erzählt hat, wie ein Mensch weggebeamt worden ist. Solch unglaubliche Dinge sollten doch eigentlich eine intelligente Spezies nicht vor ernsthafte Probleme stellen! Das würde uns doch niemals passieren, oder?

Gaslighting

Autisten bezeichnen sich oft als “neuro-a-typisch” und sind für einen “neuro-typischen” Menschen schwer zu verstehen. (Es handelt sich bei diesen Begriffen um keine Erfindungen von mir, nur die Schreibweise habe ich zwecks besserem Verständnis angepasst.) Vor allem kursieren sehr viele Vorurteile und vermeintliche Prinzipien im Netz, anhand derer man Autisten von “Normalen” angeblich unterscheiden kann. Doch wie so oft wird ein simples Wenn-Dann der Sache bei weitem nicht gerecht.

Weil mich das Thema interessiert, verfolge ich diese Diskussionen manchmal. Es ist allerdings schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen, da es für mich den Anschein hat, als ob sich auch viele Nicht-Autisten wieder einmal begeistert auf eine Randgruppe gestürzt haben, und mit unangebrachter Schärfe jeden verurteilen, der nicht sofort alles richtig versteht.

In einer der Folgen der Serie “Elementary” kam auch der Begriff “Gaslighting” vor. Die Serie spielt – teilweise sehr frei interpretiert – die Geschichten über den Meisterdetektiv Sherlock Holmes nach, die Handlung spielt jedoch in New York und London in unserer Zeit. Das von Arthur Conan Doyle beschriebene Prinzip der sorgfältigen Beobachtung und der logischen Deduktion unter Einbeziehung eines erstaunlich breiten Allgemeinwissens wurde dabei sehr gut beibehalten. Die DVD-Box und die Bücher gibt es unter anderem bei Amazon.

Der Begriff Gaslighting wird seit den 1960er Jahren auch umgangssprachlich und als psychologischer Fachbegriff verwendet, um Bemühungen zu beschreiben, jemandes Wahrnehmung der Realität zu manipulieren.  (Wikipedia)

Die Autistin Mela Eckenfels hat aus eigener Sicht eine sehr schöne Schilderung dieses Prinzips in ihrem Blog veröffentlicht. “Sehr schön” ist dabei natürlich nur die Schilderung, nicht das Prinzip an sich.

Es soll allerdings nicht der Eindruck erweckt werden, dass nur Autisten von Gaslighting betroffen sind. Das Ablenken vom aktuellen Thema in Verbindung mit dem Versuch, dem anderen ein schlechtes Gewissen zu machen, ist ein nur zu oft erlebtes Kommunikationsprinzip, dessen man sich auch als “Normaler” immer bewusst sein sollte. Daher empfehle ich allen, diesen Artikel zu lesen und insbesondere auf den Hinweis im letzten Absatz zu achten.

In gewisser Weise ist auch das eingangs beschriebene Verhalten gewisser Netz-User ein gutes Beispiel für das angesprochene Thema.

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