Bequem geht’s nur in einer Richtung

Inzwischen scheint es fast nichts mehr zu geben, was man nicht auch online erledigen kann. Doch ist scheint auch fast nichts so (gut) zu sein, wie es auf den ersten Blick aussieht. So auch bei der Bahn, wo ich seit längerem mal wieder eine Bahncard beantragen musste, obwohl ich eigentlich eine habe.

Nun ist es ja nicht so, als ob ich noch nie Bahn gefahren wäre. Einige Jahre lang war ich sogar stolzer Besitzer einer Bahncard 100, weil ich fast täglich nach Frankfurt musste. Da lohnt sich die Flatrate, egal welchen Einzelpreis man dagegen rechnet. Doch nun kam der Schritt, wo ich nur noch selten fahre, wofür eine Bahncard 25 völlig ausreichend wäre.

Es klingt toll, wenn man sich an die Erfahrungen anderer Portale erinnert: Einfach reinklicken, Vertrag umstellen, und fertig. Doch Moooment! Sie wollen weniger bezahlen als vorher? Tut uns leid, das geht nicht so einfach!

Während man tatsächlich die Hochstufung der Bahncard recht unbürokratisch erledigen kann, bedeutet eine Herabstufung schon, einen halben Verwaltungsakt zu absolvieren. Als erstes musste ich meine bisherige Bahncard 50 formvollendet kündigen. Das geht natürlich nicht online, sondern muss per Brief erfolgen. Dann muss ich eine neue Bahncard beantragen.

Ich frage mich ernsthaft, was solche Schikane eigentlich soll. Glauben die denn, dass so etwas beim Kunden gut ankommt? Oder dass der Kunde aufgrund der Umstände lieber die teurere und unnötig gewordene Bahncard 50 behält?

Immerhin geht das Beantragen der „Neuen“ online, nur nicht an jenem Tag, weil die Commerzbank (der Partner der Bahn für die Bahncards mit Kreditkartenfunktion) Wartungsarbeiten durchführte. Aber das will ich nun wirklich niemandem anlasten, schließlich weiß ich, dass so etwas in der IT gelegentlich notwendig ist.

Aber schon kommt der nächste Streich: Die „normale“ Bahncard kann ich zwar auf bahn.de beantragen, die mit Kreditkartenfunktion jedoch nur auf der Commerzbank-Seite. Das ist soweit ja noch kein echtes Problem. Die Bank möchte nämlich bei der Beantragung unbedingt die Nummer der bisherigen Bahncard von mir wissen. Auch das leuchtete mir noch ein, denn — wie ich im Vorfeld recherchiert habe — ist das nötig, um meine Bonuspunkte nicht zu verlieren. Doch dann kommt die Enttäuschung: „Zu dieser Bahncard ist die gewünschte Zusatzkarte leider nicht verfügbar!“ Zusatzkarte??? Ich will keine Zusatzkarte, sondern eine neue, im Anschluss an die Gültigkeit meiner alten.

Ich kann also eine Bahncard ohne Kreditkarte bekommen, aber keine mit, denn so eine habe ich ja schon. Warte ich mit dem Antrag jedoch, bis die alte abgelaufen ist, sind wahrscheinlich meine Punkte verfallen. Ein fast Köpenick’sches Dilemma.

Irgendwas ist ja immer. Aber mit Websites kann man nicht diskutieren. Also auf zum Schalter, mit einem Menschen reden.


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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