SNEK 2 — Bericht aus Nürnberg

image Die graue Landschaft fliegt vorbei. Es ist heute auch kaum der Rede wert, was es draußen alles zu sehen gibt. Wolkenverhangen und vermutlich in Teilen auch verregnet, so sieht Nordhessen aus. Jedenfalls soweit ich es vom Zug aus erkennen kann. Meistens ist es sowieso dunkel, solange der ICE sich noch auf der Schnellstrecke zwischen Kassel und Würzburg befindet. Die nette Stewardess bietet mir einen Kaffee an, doch kostenlos ist er leider nicht. Egal, es sind manchmal diese Kleinigkeiten, die die Reise angenehmer machen.

Die Fahrkartenkontrolle verläuft reibungslos. Eine Freifahrt erster Klasse hin und zurück, als „Dank“ für die vielen Punkte, die ich auf den bezahlten Fahrten der vergangenen Jahre angesammelt habe. Es ist schön, dass diese Buchung inzwischen vollständig online möglich ist. Früher musste ich dafür noch einen Gutschein anfordern, der dann einige Tage später in der Post lag. Damit ging ich dann zum Schalter, um mir ein Ticket zu holen. Und das alles musste natürlich rechtzeitig geschehen, weil für diese Freifahrten nur begrenzte Kontingente zur Verfügung stehen. Da habe ich schonmal mit meinem Gutschein dagestanden und musste trotzdem bezahlen. Und der Gutschein? Der verfiel dann langsam in der Schublade, denn er war nur begrenzt gültig. Und so oft fahre ich nun auch nicht mehr.

GPS-Empfang gibt es im Zug leider nicht. Schade, so kann ich die Route nicht aufzeichnen. Manche Scheiben sind wohl irgendwie beschichtet. Auch im Büro habe ich dieses Problem. Doch, einen Wegpunkt hat es wohl gegeben. Vielleicht kam ein kurzer WLAN-Empfang zustande. Anhand dieser Daten kann Google ja inzwischen auch die ungefähre Position berechnen. Deswegen gab es damals so einen Aufstand, als Streetview zusätzlich auch die Namen und Positionen der WLAN-Netzwerke gespeichert hat. Nun wissen wir, wofür das gedacht war.

Fulda liegt auch unter einer Wolkendecke. Keine Sonne weit und breit. Eine größere Gruppe stürmt in den Großraumwagen, es entsteht einige Hektik bei den Versuchen, einen freien Sitzplatz zu ergattern. Gut dass ich reserviert hatte. Eine ältere Dame versucht es mit einem jammervollen „dann müssen wir eben weitersuchen oder stehen bleiben“, aber niemand reagiert darauf.

Nun kommt doch kurz die Sonne zum Vorschein, und gleich steigt die Stimmung in ungeahnte Höhen. Hatte ich doch kaum noch damit gerechnet, dass mich der versprochene Frühling noch rechtzeitig zum Wochenende findet. Tunnel, Sonne, Tunnel, Sonne, so geht es nun weiter in Richtung Würzburg.

Nur mit dem Mobilfunk klappt es nicht so recht. Zwar zeigt das Tablet manchmal ein „H“ an, aber weder kriege ich mit Skype einen Kontakt, noch kann ich eine eMail abschicken. Ich sitze zwar in der Ruhezone, doch sollte man annehmen, dass in Fulda am Bahnhof einige UMTS-Funkmasten in erreichbarer Nähe sein sollten, und noch ein paar freie Funkkanäle. Offene WLANs gibt es nicht, und selbst wenn, wäre das nicht empfehlenswert. Ich weiß noch nicht, ob die eMails verschlüsselt übertragen werden. Na gut, dann warten wir eben bis zur Ankunft.

Kurz vor Würzburg reißt dann doch noch der Himmel auf. Die Landschaft wirkt gleich freundlicher, und das liegt sicher nicht daran, dass wir nun in Franken sind; auch Hessen hat viele schöne Flecken. Ein letzter Tunnel, und dann grüßt die Feste Marienburg auf der Höhe die Neuankömmlinge. 5 Minuten haben wir aufgeholt, und nun ist auch der Mobilfunk wieder online und Mail und Skype-Nachricht wurden abgeschickt. Sogar die Positionsbestimmung funktioniert, und so verrät mir Android, dass es draußen Schauer gibt, 77 % Luftfeuchtigkeit und 11 °C. Letzteres mag stimmen, aber statt Schauern gibt es nur Sonne. Von wegen, „das Netz weiß alles“ :-)

Der Lautsprecher verspricht noch 50 Minuten bis Nürnberg, und der Himmel wird immer blauer. Bis Nürnberg geht es nun etwa langsamer voran, da uns hier keine ausgebaute Schnellstrecke mehr zu Füßen liegt. Unterdessen kriege ich eine Nachricht „Andreas hat Sie zu einer Unterhaltung eingeladen“. So lernt man die Segnungen der modernen Technik kennen. Nachdem E-Plus in Franken offenbar doch flächendeckend oder zumindest „schienendeckend“ verlegt ist, chatte ich nun aus dem Zug heraus mit einem Fotofreund.

Wie zum Trost für das zeitweilig verlorengegangene Mobilfunkglück sowie den Absatz über selbiges, den ich vor wenigen Minuten noch Evernote anvertraut hatte, reicht mir die Zugbegleiterin ein Leckerli „Mini-Ritter“.

In Nürnberg angekommen lacht die Sonne, die Luft ist warm und meine Jacke natürlich viel zu dick. Aber dagegen kann man ja was machen :-)


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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