Das haben wir ja noch nie gemacht!

Schulungen sind gut, um …

  • einen Überblick über das Thema zu erhalten
  • einen schnellen und leichten Einstieg in die Praxis zu bekommen
  • die praktische Umsetzung möglichst fehlerarm und mit vielen „Best Practices“ versehen beginnen zu können

Schulungen eignen sich meiner Ansicht nach nicht dazu, ein Thema vollständig zu begreifen. Es ist wie mit dem Führerschein: Er gibt einem Fahranfänger die Erlaubnis, nun eigenständig, also ohne Fahrlehrer, weiter zu lernen. Ich halte es da eher mit den amerikanischen Verhältnissen: Man pappt sich (im übertragenen Sinne) ein L-Schild ans Auto und fährt einfach mal los.

Geht es denn auch ohne Schulungen?  Was im Straßenverkehr bei uns nicht erlaubt ist, geht am Arbeitsplatz sehr gut, denn fast niemand interessiert sich dafür, ob man etwas auch wirklich mal gelernt hat, wenn es nur klappt. Dafür sind die möglichen Folgen bei einem Scheitern auch nicht so gravierend wie im Straßenverkehr. Wozu soll man etwas sklavisch nachmachen, wenn das Konzept die dynamische Anpassung geradezu fordert?

Könnte man nicht einfach mal was ausprobieren, dann gäbe es auf dieser Welt niemals eine Chance, etwas Neues zu entwickeln, zumindest was Vorgehensweisen betrifft. Denn von wem sollte man es denn hätte lernen können, wenn man selbst es gerade erst erfunden hat? Das würde zwar genau den Leuten in die Hände arbeiten, die immer schimpfen „Das haben wir ja noch nie gemacht!“ oder ähnliches, aber in dem Falle hätten wir noch keine Computer, keine Autos, und keine Websites, über die so schöne Blogeinträge verteilt werden können :-) Nein, denn wir würden noch nicht mal in der Steinzeit leben, wir hätten die Ozeane noch gar nicht verlassen! „Arme??? Beine??? Das haben wir ja noch nie gemacht!“

Ich habe mir also

  • Scrum theoretisch angelesen
  • einen Vortrag gehört
  • eine Vorführung besucht
  • viele Diskussionen mit Kollegen geführt

… und dann Scrum auf der Basis dieses theoretischen Wissens in der Praxis ausprobiert. Und nun geht es darum, Erfahrungen zu sammeln und dann ganz einfach das verwendete Konzept an die konkrete Situation anzupassen.

Ist das nicht genau die empfohlene Vorgehensweise der agilen Bewegungen?

Quellenangabe: Das „L“ stammt aus diesem Artikel (Link) in der Wikipedia.


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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