Nomaden in der Wolke

Über Datenschutz schreibt man am besten, wenn man irgendwann mal Fan war. Datenschutzfan. Hat sich aber gelegt. Ich finde das Thema immer noch sehr wichtig, komme jedoch inzwischen mit den vielen abstrusen Auswüchsen nicht mehr klar. Nahezu jeder Nasenbohrer kann meine Daten sehen, verteilen, verarbeiten und was weiß ich noch. Nur ich selbst renne immer an eine Mauer. So geschehen, als ich z.B. bei der Post den Absender eines an mich adressierten (und vermissten) Paketes erfragen wollte. Oder an einer Schule dürfen Klassenlisten nicht mehr ins Lehrerpostfach gelegt werden, weil sie dann von anderen Lehrern eingesehen werden könnten. Genug der Beispiele. Natürlich erkennt man den Willen hinter diesen Regeln. Und ich hatte mich selbst mal zum Datenschutzbeauftragten machen wollen. Doch der Vorhang ist runter. Ich versuche seit geraumer Zeit mich im Umgang mit Daten sehr sinnvoll zu verhalten und achte vermehrt auf meinen(!) Datenschutz.

Weil ich schon viele Rechner verschlissen habe und der eine oder andere Rechner dasselbe mit mir probiert hat, übergebe ich immer seltener meine Daten an lokale Plätze. Damit sind wir schon bei Widerspruch Numero Uno. So ziemlich alle meine Daten sind in der Cloud. Das kostet Geld, denn „kostenlose“ Angebote müssen ihr Geld anderweitig beschaffen, z.B. mit meinen Daten. Dienste selbst hosten, ist aus meiner Sicht fahrlässig. Auf dringende Empfehlung eines Bekannten sollte ich mir zuhause einen Debianserver hinstellen und vernünftig absichern. Ich bezweifle sehr, dass ich das halbwegs so gut kann wie ein Profi, schon gar nicht wäre ich immer up to date. Obendrein alles hinter einem (Zwangs-) Router, dessen Einstellungen der Provider für mich „sichert“. Also, ab in die Cloud.

Ich nenne mal Beispiele – ohne Links, es soll keine Werbeveranstaltung sein. Wichtige Dokumente lege ich beim Schweizer Anbieter Tresorit ab. Dieser Dienst kann auch perfekt zum Teilen von Dokumenten verwendet werden (nur diese Emailadresse, nur zweimal, nur bis Dienstag). Absolut wichtige Emails laufen über ProtonMail. Der Emaildurchschnitt läuft über FastMail, der beste Webmailer, der mir bisher untergekommen ist — mit vielen nützlichen Features. So kann man auch zusätzliche (restriktive) Logins für den Urlaub anlegen, oder mit YubiKey arbeiten. Bilder meines Smartphones landen auf OneDrive, wo ich sie bei Bedarf auch teilen kann. Allerweltskram liegt (befristet) auf Dropbox. Ach ja, zu meinen Onlinespeichern konnekte ich mich nur, wenn ich sie gerade brauche.

Ich bin nicht bei Facebook und verwende kein Whatsapp. Hier stört mich nicht eine evtl. vorhandene Datensammelwut (ist ja schließlich alles freiwillig), sondern die schiere Anhäufung von persönlichen Daten. Meiner bescheidenen Meinung nach sollte es keine Firma geben, die so viele Daten „besitzt“. Über staatliche Institutionen möchte ich in dem Zusammenhang nicht reden. Da trifft Unverschämtheit und Unvermögen zusammen und ich kann nichts dagegen tun.

Man kann mir gern eine SMS senden, wenn man meine Telefonnummer hat. Wer absolut geheime Nachrichten mit mir austauschen will, muss Threema verwenden. Twittern tue ich mehr so zum Privatvergnügen. Google+ habe ich mal probiert, ein Mehrwert hat sich für mich nicht gezeigt. Auch nachdem ich zu viel Zeit damit verbracht habe, bin ich dort wieder ganz weg — doch das ist ein anderes Thema.

So, das war ein Querschnitt durch meine digitale Welt und Amazon weiß eh alles über mich. Natürlich möchte ich mich oft genug gegen all das wehren, doch ich will auch kein digitaler Einsiedler sein. Und eins, zwei Sachen habe ich euch kurzerhand verschwiegen :-)

Danke für eure Zeit, Hannes B.

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1 Kommentar

  1. Update: Der von mir genannte Webmailer Fastmail ändert diesen Monat die Anmeldeverfahren. Es wird keine restriktiven Logins mehr geben, dafür eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Hm, gefällt mir nicht wirklich …

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