Wochenschau 43/2020

Die Alle-paar-Wochen-Schau … heute mal wieder mit drei vollkommen unterschiedlichen Themen.

Die Software und die Änderungen

Coronavirus, GesichtsmaskeDass man Software gelegentlich mal den geänderten Umgebungsbedingungen anpassen sollte, weiß jeder Entwickler, der eine solche über einen längeren Zeit betreut. Bei Windows-Updates gibt es häufiger mal Überraschungen, die dann zu mehr oder weniger viel Aufwand führen, bevor wieder alles funktioniert.

Auch Änderungen durch gesetzliche Regelungen sind, wie die Finanzbranche wohl weiß, nahezu an der Tagesordnung, zumindest aber an der Jahresordnung :-)

Da verwundert es nicht, dass dieses Schicksal auch die Corona-Warn-App teilt. Wie Linus Neumann in seinem Blog ausführt, haben sich seit deren Veröffentlichung bereits einige neue Erkenntnisse ergeben, die leider immer noch nicht in die App eingeflossen sind. Hinzu kommen Besonderheiten im Erfassungsverfahren, das leider nicht alle Besonderheiten des realen Lebens korrekt abbilden kann. So ist die Umgebung für das Infektionsrisiko keineswegs unwichtig, denn ob ich mich beispielsweise mit jemandem im Wald treffe oder in einem geschlossenen Raum, ist für die Ausbreitung und Verteilung der Aerosole sehr entscheidend. Die App behandelt jedoch immer alles gleich.

Auch das Thema „Gastronomie“ leider unter dem gleichen Problem, das durch die App nicht gelöst werden kann. Das alternative Verfahren, sich als Gast in eine Liste einzutragen, krankt am fehlenden Datenschutz: Jeder nachfolgende Gast kann alle vorher eingetragenen Daten lesen und dank Smartphone auch problemlos digital Fotografieren. Überdies ist die manuelle Erfassung zeitaufwändig, von der Lesbarkeit mal ganz zu schweigen. Und letztlich gab es auch schon Berichte über die zweckfremden Zweitverwertung dieser Listen zur Werbung oder durch die Polizei. Wen wundert’s, dass die Leute dann Fantasienamen und -adressen eintragen?

Interessant ist der Ansatz, eine „Zusammenkunft“ mittels der Warnapp ebenfalls dezentral und datenschutzkonform zu erfassen. Über den zusätzlichen Schritt des „Anlegens einer Zusammenkunft“ wird ein QR-Code generiert, den jeder Teilnehmer scannt. Dadurch „weiß“ deren App, dass sie Teil dieser Zusammenkunft war, unabhängig von den konkreten Zeit- und Abstandsmessungen. Das klingt gut, ist aber im Moment leider nur ein theoretisch beschriebener Ansatz. Ob dieser jemals in die App einfließt, wird die Zukunft zeigen.

Feind hört mit

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als es noch „nur Telefon“ gab. Damals erzählte man mir, das Telefon sei abhörsicher, denn schließlich lägen die Leitungen ja alle unterirdisch und würden nur von der Post, einem staatlichen Konzern, kontrolliert. Damit war bestenfalls der Anschlusskasten im Keller noch eine Schwachstelle, und der war ja verplombt. Früher war alles besser :-)

Und dennoch, auch früher gab es schon Krimis im Fernsehen, in denen findige Spione sich mit technischen Tricks Zugang zu diesem besonders geschützten Netz verschafften. Heute ist das alles natürlich ganz anders.

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Heute trägt jeder sein Telefon ständig mit sich herum, und die Telefonleitungen werden für alles mögliche verwendet: Telefon (Voice-over-IP), Streaming-Dienste und World Wide Web. Und natürlich SMS und die Messenger. Gerade letztere neigen immer mehr dazu, die Kommunikation zu verschlüsseln. Signal, Threema, Telegram, WhatsApp, … jeder hat mehr oder weniger gut eine Verschlüsselung etabliert. Das ist gut für die Privatsphäre und schlecht für Ermittlungsbehörden – ein Dilemma, das wohl kaum auflösbar ist.

Wenn die Übertragung wirksam Ende-zu-Ende verschlüsselt ist, gibt es im Grunde nur noch zwei Ansätze: Man geht an die Quelle der Nachricht (also auf das Smartphone von Sender und Empfänger), oder man verfügt über einen zusätzlichen Schlüssel, mit dessen Hilfe man mitlesen kann. Tja, und nun wissen wir, warum es „Quellen-Telekommunikations-Überwachung“ heißt.

Und wenn staatliche Stellen genügend Druck aufbauen, dann muss über kurz oder lang damit gerechnet werden, dass Google und Apple keine große Wahl mehr haben, als Schnittstellen in Android und iOS einzubauen. Wenn das nicht eh schon längst passiert ist.

Schwarze Löcher sind … anders

Supermassive black hole hidden behind dense clouds (Quelle)
© NRAO/AUI/NSF CC BY 3.0

Kann ein Stern depressiv werden, in sich zusammenfallen? Wenn sein Brennstoff verbraucht ist, fehlt der Drang, Energie von sich zu geben, und er stürzt unter seiner eigenen Schwerkraft in sich zusammen, bis nichts mehr von ihm übrig ist, außer eben ganz viel dicht gepackte Masse und eine Menge Schwerkraft. „Nichts“ kann man das eigentlich nicht nennen, aber das ist sprachlich nicht so einfach. Zeitlich hingegen schon: Ein schwarzes Loch ist gewissermaßen das Ende eines Sterns. Danach passiert nichts mehr damit. Kaum vorstellbar, oder?

Spätestens seit dem spektakulären Foto eines schwarzen Loches im April 2019 (das übrigens kein Foto ist) glaubt jeder zu wissen, wie so etwas aussieht. Dabei wurde „nur“ rechnerisch der Ereignishorizont visualisiert, also die Grenze rund um das Loch herum, wo man gerade noch etwas von sehen könnte. Das Loch selbst (wenn man es denn Loch nennen kann) kann man nicht sehen, denn die Gravitation ist in seiner Nähe so groß, dass nicht einmal Lichtwellen ihm entkommen können. Kein Foto also, eher eine Computersimulation, aber wissenschaftlich war das schon eine enorme Leistung.

Nun „weiß“ also jeder, wie ein schwarzes Loch aussieht, und was es ist. Doch dass die Dinge nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen, hat nicht nur Phaedrus bereits erkannt. Auch Sokrates war sich gemäß Platon der Tatsache bewusst, dass das Wissen im Grunde niemals verlässlich sein kann, sondern dass man allenfalls hinreichend überzeugt sein kann. Einen interessanten Beitrag dazu habe ich von (wieder einmal) Marcus Raitner auf Führung erfahren gefunden.

Florian Aigner schlägt auf Futurezone einen Bogen von Löchern im Käse über kaputte Sterne bis hin zu einem Loch im Budget, in dem alles Geld auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Physik ist wahrhaft abenteuerlich.

 

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