Coach Reflection Day im November 2015

Komplexität erfordert Trainingsplattformen für Reflexionsfähigkeiten

Der Begriff der „Komplexität“ hat sich in vielen Kreisen der Software-Entwicklung bereits herumgesprochen. Steigende und wechselnde Anforderungen mit dichter Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinaus sind zur Tagesordnung geworden.

Das fordert von allen Beteiligten völlig andere Fähigkeiten und stellt komplette Karrierewege, die Art der Zusammenarbeit und Software-Projekte auf den Kopf. Die Probleme, die damit einhergehen, sind so vielfältig wie die Menschen, die daran Teil haben. Das „Try and Error“-Prinzip, wie wir es in vielen Bereichen der Software-Entwicklung anwenden, führt nur schleppend zum Erfolg. Das liegt vor allem daran, dass im komplexen Umfeld der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nur rückblickend betrachtet werden kann und nicht zuvor.

Ganz konkret bedeutet das: Erfahrungen die jemand in einer bestimmten Situation gesammelt und im Netz veröffentlicht hat, lassen sich nur bedingt auf einen anderen Kontext übertragen. Das kann ziemlich verunsichern oder ratlos machen. Daher sind heute Fähigkeiten aus dem Bereich der Soft-Skills und Reflexions- und Kommunikationsfähigkeiten so wichtig. Im agilen Umfeld sprechen wir von Inspect & Adapt. Da liegt es nahe, sich an einem Berufsfeld zu orientieren, das sich darauf spezialisiert hat: Coaching.

Coaching im Detail

Coaching baut eine Distanz zu einer Situation auf und beleuchtet sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Aus einem Tunnelblick entsteht plötzlich eine Sicht von oben wie aus dem Helikopter und anderen Standpunkten. Daraus wächst eine Landkarte, die den Ist-Zustand mit seinem Problem darstellt. Oftmals liegt dieses in einem Bereich, der eigenständig nur sehr schwer erkundet werden kann. Bei diesem Prozess geht im besten Fall ein Raum auf — der Lösungsraum.

Gruppe
(C) Patrick Koglin

Diese Denkweise, also die Unterscheidung zwischen Problem und Lösung, lässt sich mit unterstützenden Formaten erlernen und trainieren. Eins ist die Supervision:

In der Supervision wird die Gruppe in Teilgruppen von vier bis fünf Personen aufgeteilt. Mit Hilfe eines Moderators wählen wir einen konkreten Fall, der mitgebracht wurde. Dieser Fall wird in zehn Minuten ausführlich erklärt. Es spricht keiner außer der Person, die den Fall eingebracht hat.

Dann verschwindet die Person zehn Minuten hinter einer Trennwand. Die Gruppe analysiert und stellt Hypothesen auf. Der Fallgeber erhält weitere zehn Minuten, um darauf einzugehen.

An einem Punkt nehme ich eine Abwehrhaltung wahr. Es ist eine distanzierende Bewegung, ein Zurückrutschen mit dem Stuhl. Dazu hörte ich in einem anderen Moment einen prägnanten, leicht diskriminierenden, Nebensatz. „That’s it“, denke ich.

In weiteren zehn Minuten bekommt die Gruppe erneut die Chance, ihre Ideenimpulse mitzugeben. Ich verweise auf die wahrgenommene Körperhaltung und versuche deutlich zu machen: „An diesem Punkt kann der Fallgeber viel verändern, wenn er seine Sichtweise dreht.“

Die Gruppe schaut mich skeptisch an. Ich lasse das so stehen. Hinter der Trennwand wird meine Nachricht angekommen sein. Diese Situation zeigt deutlich den großen Mehrwert der Supervision. Potentielle Konflikte, die bei einer Fallanalyse entstehen können, lassen sich umgehen. Durch klare Gesprächsregeln und Blickkontaktsperre kann offen gesprochen werden.

Supervision und weitere Coachingformate ausprobieren

Das obige Beispiel zeigt, wie man durch Coaching die eigenen Kommunikations- und Verhaltensweisen gespiegelt bekommt. In diesem Fall bestand ein Konflikt zwischen zwei Parteien, die sich aufgrund unterschiedlicher Ausbildungsrichtungen, Interessen und Sprachgepflogenheit schlicht und einfach schwer verstanden. Es „menschelte“. In der Supervision wurde diese Ablehnung transparent, konnte erkundet und abgeschwächt werden.

Umso mehr Menschen zusammenarbeiten, umso mehr wird es solche und ähnliche Herausforderungen in der täglichen Entwicklungsarbeit geben. Die Fähigkeiten, der Raum oder die Zeit damit umzugehen fehlen vielen Menschen oftmals. Das zeigt sich in ganz unterschiedlichen Metriken wie zum Beispiel in der Anzahl gescheiterter Kundenbeziehungen, Krankheitstage, persönlicher Konflikte, oder fehlgeschlagener Projekte.

Aus diesem Hintergrund heraus bilden sich immer mehr Angebote und Möglichkeiten, den Umgang mit komplexen Situationen zu erlernen und zu trainieren. Wer dies direkt vor Ort in Nordhessen hautnah mit anderen Coaches in einem kompetenten und vertrauensvollen Umfeld tun möchte ist herzlich zum ersten Coach Reflection Day in Nordhessen eingeladen.

Ein kompletter Tag zur gegenseitigen Unterstützung

Dort werden Problemstellungen gemeinsam mit kompetenten Moderatoren und weiteren Coaches beleuchtet und in Coachingformaten wie zum Beispiel der Supervision oder dem Coaching-Dojo schließlich neue Handlungsoptionen erarbeitet. Man kann dabei eigene Fälle einbringen, die persönlichen Coachingfähigkeiten trainieren und sich Interventionen von anderen Coaches abschauen.

(C) Patrick Koglin
(C) Patrick Koglin

Das Veranstaltungsformat hat sich bereits in drei weiteren Städten erfolgreich etabliert und findet am 13. November 2015 im GenoHotel Baunatal statt. Die Teilnahme kostet 180 € und ist sowohl für Coaches, Führungskräfte und Menschen, die ihre eigene Reflexionsfähigkeit trainieren wollen, geeignet. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter www.coachreflectionday.org


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