Coach Reflection Day

Was schreibt man über eine Veranstaltung, über die man nicht reden darf? „Was im Fight Club passiert, bleibt im Fight Club!“ So ähnlich lautet auch die wichtigste Regel am inzwischen dritten Coach Reflection Day.

Ganz so schlimm ist es natürlich nicht, denn es sind ja keine großen Geheimnisse, die dort gelehrt werden. Nur die Erfahrungen, die die Teilnehmer sich gegenseitig in den Gesprächen anvertrauen, sollen die Gruppe nicht verlassen. Das ist im Grunde nicht viel anders als ein ganz normales „non-disclosure-agreement“, eine Verschwiegenheitsvereinbarung, die ein Berater oft mit Unternehmen abschließt.

Die Idee, die Patrick Koglin nach Nordhessen importiert hat, fand am vergangenen Freitag nun zum dritten mal statt. Der Coach Reflection Day ist eine Veranstaltung, die ursprünglich im Januar 2014 von Martin Heider, Fabian Schiller und Gerald Fiesser in Fürth ins Leben gerufen wurde. Sie ist von, für und mit Menschen, die in irgendeiner Form als Coach tätig sind, sein wollen, oder einfach nur Interesse an dem Thema haben. Doch was ist es eigentlich, das einen zum Coach macht? Ist das so etwas wie ein Psychotherapeut?

„Ein ganz klares Nein“, sagt Patrick Koglin. Die Abgrenzung zur Therapie ist ihm sehr wichtig, denn ein Coach ist normalerweise kein ausgebildeter Mediziner. Ein Softwareentwickler kann durchaus mal das eine oder andere ausprobieren. Wenn es schief geht, hat er im allgemeinen nur Zeit und vielleicht etwas Geld verloren. Experimente an der menschlichen Psyche hingegen haben ethisch-moralisch einen vollkommen anderen Stellenwert und unter Umständen viel gravierendere Folgen. Wer also nicht wirklich weiß, was er tut, sollte davon besser die Finger lassen! Coaching ist eben keine Therapie, obwohl durchaus Themen zur Sprache kommen können, die einen Übergang zur Therapie nahelegen. Hier sollte der Coach sehr aufmerksam auch mit seinen eigenen Fähigkeiten umgehen, was eine der reflektiven Möglichkeiten dieses Tages ist. Daher ist der Name „Coach Reflection Day“ nicht zufällig gewählt.

Eigene Spuren hinterlassenWas macht ein Coach?

Ein Coach hilft dem Coachee, ein Problem zu lösen. Wobei das Wort „Problem“ heutzutage gerne vermieden wird. Es heißt, man möge doch lieber von „offenen Punkten“ oder „Herausforderungen“ sprechen. Mir persönlich kommt das so vor, als ob hier zwanghaft ein Euphemismus gesucht wird, um von dem eigentlichen Problem mit dem Wort „Problem“ abzulenken. Doch was ist falsch daran, ein Problem zu haben und es zuzugeben?

Da kommt also ein Coachee zum Coach und sagt „ich habe folgendes Problem“. Er (oder sie) schildert das Problem, man redet darüber und sucht gemeinsam nach Lösungen. Die Aufgabe des Coaches ist es in erster Linie, durch sinnvolle Fragen sein Gegenüber zum Nachdenken über die Situation anzuregen. Idealerweise findet der Coachee selbst einen möglichen Ausweg aus seinem Dilemma.

Dabei kam in einer offenen Diskussion zur Sprache, dass es mehrere verschiedene Lösungsansätze geben kann. Der eine bezieht sich vielleicht ausschließlich auf das geschilderte Problem und sucht ab diesem Punkt nach Lösungen. Der andere versteht das gesagte lediglich als einen Anhaltspunkt für weitere Forschungen und sucht den „Grund hinter dem Grund“. Beide Ansätze mögen zum Erfolg führen, so dass es für mich sehr gut gewesen ist, diese kennengelernt zu haben.

Im Verlaufe dieses Tages wechselten sich Theorie und Praxis ab. Dabei kamen die beiden Formate „Supervision“ und „Coaching Dojo“ zum Einsatz. Die Rollen zwischen Coach und Coachee wechselten, so dass jeder über die Erfahrung beider Seiten verfügen kann. Dass das bei weitem kein reines Theater ist, dürfte klar sein, was natürlich auch der Grund für das einleitende Zitat ist. Doch erst am realen Problem lassen sich Problemlösungsstrategien üben.

Fazit

Nachdem ich nun zum zweiten mal dabei war, ist die Erfahrung sogar noch intensiver geworden. Beim vorigen mal brachte ich selbst ein Problem mit, bei dessen Lösung die Reflektion der Gruppe sehr hilfreich war. Ich betrachte das Problem inzwischen als gelöst, obwohl ich mich keineswegs sklavisch an die Vorschläge gehalten habe. Doch das ist letztlich egal, der Prozess des gecoacht-werdens hat mir geholfen.

Diesmal hatte ich kein eigenes Problem, sondern half dabei, eines zu lösen. So konnte ich an meiner Fragetechnik arbeiten, was mir mit einiger Konzentration wohl auch recht gut gelungen ist. Dennoch ist es noch ein weiter Weg, bis hier ausreichend Routine vorhanden ist.

Der Coach Reflection Day hilft mir dabei, wieder ein wenig besser zu werden. Und das war es wert.


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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