Die „Nein“-Verschwörung

„Nein, das geht so nicht!“ — „Nein, das haben wir noch nie so gemacht!“ — „Hier machen wir das anders!“ — Wie oft haben wir das schon gehört?

Inspiriert durch diesen sehr zutreffenden Beitrag in The coalition of No in Seth Godin’s Blog habe ich mich gerade an ein Gedicht aus dem Deutschunterricht erinnert, in dem dieses Wort ebenfalls sehr häufig vorkommt:

Du.
Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt.
Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Aus Wolfgang Borchert: Dann gibt es nur eins! (Wikipedia, voller Wortlaut z.B. bei Gabriele Weis)

Allerdings sind die Aussagen genau gegensätzlich. Während Borchert den Krieg und die damit verbundenen Arbeiten mit einem klaren „Nein!“ belegt hat, beklagt Seth Godin eben diese Kultur des permanenten Nein-Sagens, des Blockierens von Veränderungen, das mir auch oft das Leben schwer macht. Nun ist nicht das eine richtig und das andere falsch. Ein Nein ist nicht immer richtig, ebensowenig ist ein Ja immer richtig. Dennoch ist die Haltung sehr verbreitet, Veränderungen abzulehnen und den Status Quo zu erhalten, komme was da wolle. Das wiederum erinnert mich an den Witz, in dem sich zwei Bakterien unterhalten:

Ich verstehe das nicht! 100 Generationen lang haben wir knallhart auf Wachstum und Vermehrung gesetzt, und das soll nun alles falsch gewesen sein?

Was passiert war? Der Wirt war gestorben …

Die richtige Balance zwischen Ja und Nein ist nicht leicht zu finden. Sicher ist es genauso falsch, jeden Tag auf’s Neue alles verändern zu wollen, was sich gerade als Routine eingestellt hat. Was also tun?

Die Antwort ist so einfach: Sag nicht (automatisch) Nein!

Ob es die Entscheidung ist, in Zukunft Mercurial statt Subversion zu verwenden, Dallmayr statt Eduscho oder Darjeeling statt Hagebuttentee zu trinken, ob es die Frage ist, weitere Soldaten in den Mittleren Osten zu schicken oder sie abzuziehen oder Günter Grass‘ Gedicht (hier im Wortlaut) gut oder schlecht zu finden:

Betrachte den Einzelfall. Schau dir die Fakten an. Bewerte sie, sprich mit Kollegen und Freunden und wildfremden Menschen darüber, denke in Ruhe nach. Berücksichtige den Zusammenhang.

Und dann …

Sag Nein!, oder eben: Sag Ja!


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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