Millionen Fliegen

Flattr this!

Schwebfliege (Symbolbild)
Fotograf: Horst Ermeling (Flickr)
Lizenz: CC BY-SA 2.0

Es ist klar: Jeder will dazu gehören, am besten ganz oben! Solche „Rankings“ gibt es zuhauf, und oft nehmen wir sie schon gar nicht mehr wahr. Oder ein hohes Ranking schreckt eher ab. Der „Mitarbeiter des Monats“ war vielleicht mal vor einigen Jahrzehnten ein erstrebenswertes Ziel, aber wer will heute noch so ein Vorzeigetyp sein, auf den alle mit dem Finger zeigen? Neid ist eine mächtige Waffe, und Nachahmer gibt es kaum. Außerdem ist man dann im Zugzwang, und das ist gewaltiger Stress.

Eine Million Downloads bei einer App können mich kaum davon überzeugen, dass ich hier etwas Tolles verpassen würde, wenn ich sie nicht hätte. Das lässt mich immer an den Spruch „Millionen Fliegen können nicht irren“ denken. Nur weil unfassbar viele Leute der Meinung sind, diese eine App sei das Geilste, was sie je gesehen haben, muss ich nicht der gleichen Ansicht sein. Signal und Threema stehen bei Google in der Kategorie „1 – 5 Millionen Downloads“, WhatsApp 1000fach darüber („1 – 5 Milliarden Downloads“). Ja und? Millionen Fliegen und so.

Das Google-Ranking ist da schon etwas anders gestaltet. Wer vorne steht, ist angesehen, und das im doppelten Wortsinne. Klar würde ich mich freuen, wenn das mit meinem Blog mal passiert, dann hätte ich vielleicht eine Million Follower und wäre berühmt. Will ich das? Na gut, wenn die dann alle fleißig auf meine Werbebanner klicken, vielleicht 🙂

Ein anderes Ranking betrifft die Update-Häufigkeit, die Herbert Braun von Heise in seinem Kommentar adressiert. Er fragt sich, ob diese „Top-Apps“, die sehr häufig aktualisiert werden, diesen Status wirklich verdienen, und ob Google mit solchen Rankings nicht vielleicht falsche Anreize liefert.

Kann man einen Schraubenzieher verbessern? Ist es Fortschritt, wenn man ihn zum Multifunktionswerkzeug upgradet, ihn personalisiert, den Arbeitsfortschritt mit der Cloud synchronisiert – Kunden, die diesen Hammer benutzten, kauften auch Nägel?

Als Softwareentwickler weiß ich natürlich, wie ich eine neue Version mache: Ich führe die Versionsnummer weiter, aus v1.2 wird v1.3 oder vielleicht sogar v2.0. Muss ich dazu unbedingt etwas programmieren? Nein, eigentlich nicht. Wenn ich ein paar deutlich sichtbare Änderungen an der Oberfläche einschmuggele, eine andere Farbe hier und da, die Größe der Fenster etwas verändern, dann sieht das schon nach einer verdienten neuen Version aus. Das ist kein großes Problem und sieht toll aus, aber — mal ehrlich — wem nützt das? Dem User sicher nicht, und mir bestenfalls indirekt, indem mein Update-Ranking steigt. Bringt mir das häufigere Downloads? Vielleicht. Bringt es mir mehr registrierte und damit zahlende User? Möglicherweise.

Aber was passiert unter der Haube? Vielleicht mache ich beim Ändern der Farbe einen kleinen Fehler, und dann ist die neue Version schlechter als der Vorgänger. Macht nix? Stimmt, Grund genug für ein weiteres Update.

<ironie>Ich bin unbedingt der Ansicht, das wir solche Rankings brauchen. Sonst wüssten wir ja nicht, welche Software besser ist.</ironie>


Übrigens: Mit SmallInvoice können auch Freiberufler wie ich sehr einfach Rechnungen erstellen, versenden und nachverfolgen. (Affiliate-Link)

Ähnliche Artikel:

AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

Kommentar verfassen