Seafile akzeptiert Bitcoins

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Vor fast genau einem halben Jahr berichtete ich kurz über die Auseinandersetzung zwischen Paypal und Seafile. Diese ist inzwischen beendet. Laut Angaben von Seafile hatte sich Paypal bereits kurz nach der Veröffentlichung entschuldigt:

Es stimmt, dass PayPal sich bei uns entschuldigt hat und unser Konto wieder freigeschaltet wurde. (…) Leider ändert das aber nichts an den Konsequenzen, mit denen wir jetzt umgehen müssen.

Die ausführliche Stellungnahme findet sich in diesem Blogpost von Seafile (UPDATE 2017: Link wegen Umfirmierung geändert) vom 2.7.2016. Interessant ist dort auch die folgende Aussage:

PayPal hat uns am Telefon mitgeteilt, dass die Beantwortung unserer Fragen – insbesondere unsere Aussage, dass wir keine Daten unserer Kunden und auch nicht den Datenverkehr auf „illegale Inhalte“ hin überwachen – der Grund für die Einschränkung und spätere Schließung unseres Kontos war.

Daraus würde ich, wie Seafile in ihrem Blog ebenfalls schreibt, den Schluss ziehen, dass Paypal vermutlich auf eine Sperrung verzichtet hätte, wenn Seafile die Daten ihrer Kunden in — aus meiner Sicht — rechtswidriger Weise analysiert hätte.

Ich stelle mir erneut das Szenario vor, meine Hausbank würde mein Geschäftskonto nur dann weiterführen, wenn ich die Daten meiner Kunden auf Rechtsverletzungen hin überprüfen würde und der Bank Statistiken über die Datenstruktur überlassen würde. Ich weiß nicht, ob das in den USA üblich ist, hierzulande ist es allerdings undenkbar.

Zwischenbemerkung

Eine Argumentation ist aber auch hierzulande inzwischen üblich geworden: Wer auch immer „etwas zu verbergen hat“, der muss zwangsläufig an etwas illegalem beteiligt sein. Denn sonst hätte er ja keine Probleme damit, alles offenzulegen. Meine Schlussfolgerung (ihr kennt mich ja inzwischen): Da auch unsere Regierung aus Gründen der Staatssicherheit keineswegs alle Dinge offenlegt, würde sich zwangsläufig der Eindruck aufdrängen, dass auch jene an etwas illegalem beteiligt ist.

Zweite Schlussfolgerung: Da mir bislang niemand auf Nachfragen seine Kontoauszüge ausgehändigt hat („Statistiken über den Zahlungsverkehr“), gilt das konsequenterweise auch für alle diejenigen, mit denen ich bisher darüber gesprochen habe. Ihr seid also alle Verbrecher. Klar soweit?

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Nun denn, Seafile hat eine Alternative gefunden: Sie akzeptieren nun auch Bitcoins (siehe Blogpost vom 11.7.2016) via BitPay. Sicher war ich nicht der Einzige, der den Vorschlag gemacht hat. Dass sie sich nun ausgerechnet doch wieder einen US-amerikanischen Dienstleister ausgesucht haben, stimmt mich allerdings schon etwas nachdenklich. Sie selbst übrigens auch, aber sie sagen dazu: „Bei Bitcoin-Zahlungen ist aber auch das kein Problem. Wir können den Zahlungsvorgang so einrichten, dass keine personenbezogenen Daten an BitPay in den USA übertragen werden.“

Ich werde dranbleiben und bei Gelegenheit mal wieder berichten.

 

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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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