Unfreiwilliges Marketing für Seafile

Seafile. Ich hatte noch nie zuvor von dieser deutschen Firma gehört. Erst der Artikel bei Heise machte sie mir bekannt. Den Service, den sie anbieten, kennt man jedoch von anderen Anbietern mit bekannten Namen wie Dropbox, OneDrive oder auch Google Drive. Doch dann kam ein Finanzdienstleister auf die Idee, die Kundendaten dieser Firma haben zu wollen.

Es geht um Seafile, einen Cloudanbieter. Sie selbst beschreiben sich auf ihrer Website so:

Seafile ist eine Software für Unternehmen zum Synchronisieren und Teilen von Dateien mit Funktionen zum Arbeiten im Team. Seafile’s Fokus liegt auf der stabilen und zuverlässigen Synchronisierung von Dateien und erweiterten Sicherheitsfunktionen.

So so, Sicherheitsfunktionen. Honi soit qui mal y pense. Seit 2009 betreibt Seafile nach eigenen Angaben einen Service, der ursprünglich nur als Peer-to-Peer-Dateiaustauschdienst gedacht war. Seit 2015 existiert die deutsche Seafile GmbH in Wiesentheid.

Anfang Juni 2016 hatte Paypal, der aus ebay hervorgegangene internationale Zahlungsdienstleister, die Firma Seafile „aufgefordert, den Datenverkehr und die Daten (ihrer) Kunden auf illegale Inhalte zu überprüfen und zu überwachen“. Weiterhin wollte PayPal „detaillierte Statistiken über die Dateitypen, die (ihre) Kunden synchronisieren und teilen“ haben (Zitate sind Orginaltexte von den News der Seafile-Website). Selbst wenn also die Dateien selbst (noch?) nicht angefordert wurden, würden solche Auswertungen zu viel über die internen Strukturen eines Unternehmens verraten, das sich auf die Dienstleistung verlässt. Das kann sich niemand leisten.

Paypal ist in Luxemburg ansässig und wird nach eigenen Angaben „EU-weit als Bank geführt“. Man darf wohl annehmen, dass somit für beide Firmen EU-weites Datenschutzrecht gilt. Und wenn dieses einer Bank das Recht einräumen würde, dieser die von „mir“ (symbolisch gesprochen) treuhänderisch verwalteten Daten herauszugeben, dann würde mich das ehrlich gesagt doch sehr wundern.

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Kommentar auf der Website von Seafile

Wir erinnern uns vielleicht noch an den sehr plötzlichen Einsturz des Gebäudes „Wikileaks“? Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, war das kurz nach einer Androhung, wichtige Dokumente aus dem us-amerikanischen Bankenbereich zu veröffentlichen, als sowohl der Vergewaltigungsvorwurf gegen Julian Assange erhoben wurde, als auch Paypal erklärte, keine Zahlungen mehr an Wikileaks weiterzuleiten. Ist hier wieder mal jemand im Hintergrund am werkeln, weil ein Dienstleister aus dem Sicherheitsumfeld seine Arbeit zu gut gemacht hat? Für Verschwörungstheorien ist genügend Raum, und ich bin sicher nicht der erste, dem man Paranoia vorwirft.

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Kommentar auf der Website von Seafile

Zumindest was mich betrifft, ist dieser Kommentar richtig. Hat sich Paypal also unfreiwillig zum Werbepartner von Seafile gemacht?

Alternative Zahlungswege

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Seafile jedenfalls bietet seine Dienstleistungen vorerst kostenlos an, um weder bestehende Daten noch Kundenverbindungen zu gefährden. Und im Hintergrund suchen sie intensiv nach einer neuen Lösung. Selbstverständlich darf dieser Artikel nicht enden ohne einen Hinweis auf eine interessante Alternative zu institutionellem Geldtransfer. Der Bitcoin und seine zahlreichen Alternativen, „Altcoins“ genannt, ist vielleicht wirklich eine Chance, hier ein Gegengewicht zu der vorhandenen Marktmacht aufzubauen. Insbesondere wenn ich (wiederum rein symbolisch) befürchten muss, dass Paypal Zahlungen an mich plötzlich unmöglich macht. Und das, wie im Falle von Seafile, ohne konkrete Vorwürfe und mit Forderungen, die ein seriöses Unternehmen unmöglich erfüllen kann.

Und so geht es: Scanne mit einem Bitcoin-Client auf deinem Smartphone den nebenstehenden QR-Code und trage einen Betrag deiner Wahl ein. Der Bitcoin-Client auf dem Android erlaubt sogar die Eingabe von Euro-Werten, die dann automatisch gemäß dem aktuellen Kurs umgerechnet werden. Der Kurs schwankt allerdings noch ganz ordentlich, so dass bei aller Euphorie über den Bitcoin gewisse Spekulationsrisiken nicht verschwiegen werden sollen. Als ob das bei „realen“ Währungen nicht so wäre.

UPDATE: Heise schreibt gerade, dass Paypal die Entscheidung zurückgenommen hat. Seafile will sich aber trotzdem nach einem anderen Partner umschauen.


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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