Seltsame Metriken

Sich in fremde Programme „reinzudenken“ ist nicht leicht. Jeder Entwickler hat seinen persönlichen Stil, den man fast eine Handschrift nennen kann. Namenskonventionen (Leszynski/Reddick, Variablen klein, Konstanten groß), Einrückungstiefe (wieviele Spaces, oder sind es Tabs), die Position der Variablendeklarationen (z.B. immer am Anfang der Funktion oder erst unmittelbar vor der ersten Benutzung), das alles beeinflusst den Lesefluss und damit meine Wahrnehmung des fremden Programms.

Es zu verstehen ist die eine Sache. Es besteht aber auch gelegentlich die Notwendigkeit, an einem Programm Änderungen vorzunehmen, das ich nicht selbst geschrieben habe. Je nachdem, welche Struktur das Programm hat, ist das mehr oder weniger schwierig. Hat der Autor (oder die Autorin) sich Gedanken gemacht oder einfach drauf los programmiert? Wird diese eine Funktion, die ich ändern möchte, noch anderswo verwendet und wenn ja, wie?

Oder ruft nur ein Programmteil sie auf? Das macht man oft, um die Lesbarkeit zu erhöhen. Eine superlange Funktion ist unübersichtlich. Wenn dort statt dessen nur ein paar Zeilen mit sprechenden (!) Funktionsnamen stehen, in denen dann die eigentliche Arbeit gemacht wird, erschließt sich der Sinn dieser Funktion erheblich schneller.

Es kann aber auch sein, dass der Entwickler Zeit sparen wollte, anstatt dieselbe Sache immer wieder auf’s Neue zu programmieren. Leider scheint es auch Entwickler zu geben, die programmieren, als ob sie nach Codezeilen bezahlt (oder mindestens bewertet) würden. „Naaaa, wie viele Codezeilen haben Sie heute programmiert?“ Vielleicht sogar mit einer Automatik, die um Mitternacht die Zeilen des Programmes zählt und automatisch in eine Excel-Tabelle einträgt? Da muss man nach einem Refactoring unter Umständen sogar mit Kritik rechnen!

Gibt es wirklich Menschen, die solche Metriken anwenden?


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