Shadowban

Was ist eigentlich mit dem eMail-System los? Immer wieder habe ich den Eindruck, dass Mails „auf dem Postweg verloren gegangen“ sind, wie es früher gern in Bezug auf die Sackpost hieß. Was damals wohl oft eine Ausrede war, scheint im Falle der eMail jedoch Methode zu haben.

Bei Twitter heißt es „shadowban“. Das ist ein Verfahren, bei dem einzelne Tweets oder gar ganze Accounts aus dem Nachrichtenstrom der meisten Leute herausgenommen werden; nur die unmittelbaren Follower sehen diese noch. Angeblich ist dies jedoch kein offizieller Mechanismus von Twitter, sondern nur ein Fehler bei deren Spamfilter.

Nun wäre die Tatsache, dass Tweets eines Autors nur den Followern angezeigt werden, eigentlich nicht weiter verwunderlich. Aber dass auch die Suche davon betroffen ist, rückt die Sache doch stark in Richtung der Zensurdebatte. Was mir bei Twitter auffällt ist, dass meine Tweets manchmal sehr lange brauchen, bis der Versand vom Smartphone abgeschlossen ist. Ob das nun ein technischer Fehler ist oder ebenfalls eine Art „Vorprüfung“, ist für mich nicht festzustellen.

Aber nicht nur Twitter, auch das Mailsystem scheint gewisse Ausfälle zu haben. Auch hier mögen übereifrige Spamfilter im Spiel sein, vielleicht aber auch heimliche Zensoren, die ihre Legitimation durch das NetzDG glauben erhalten zu haben.

Da fragt man sich doch, was denn noch so alles „verloren geht“. Denn was wir nicht sehen, vermissen wir auch nur selten, es sei denn wir wüssten, dass es da sein muss (vielleicht weil wir die Nachricht selbst geschrieben und von einem unserer Accounts zu einem anderen geschickt haben).

Bekannte Fälle aus der letzten Zeit:

  • Antwort eines Entwicklers auf eine Anfrage
  • Krankmeldung eines Kollegen an den Chef

Verständlich ist das natürlich. Wer hat schon die Gewohnheit, bei jeder verschickten Mail den Empfänger zu fragen, ob die Mail auch wirklich angekommen ist. Das haben wir bei Briefen früher schließlich auch nicht gemacht. Was man verschickt hat, wird leicht vergessen. „Aus den Augen, aus dem Sinn.“ Davon abgesehen müsste diese Nachfrage auf einem anderen Kommunikationskanal erfolgen, was den Aufwand vervielfachern würde.

Zwar gibt es bei eMails die Möglichkeit, eine Zustell- und eine Lesebestätigung anzufordern, aber auch ich mache das nur in sehr wenigen Fällen. Und dann müsste ich immer noch darauf achten, dass die entsprechenden Bestätigungen auch wieder bei mir eintreffen. Zwar ist das Fehlen einer Lesebestätigung noch kein Grund zur Panik, denn die kann man in vielen Mailprogrammen ja abschalten. Die Frage ist ohnehin, wann Spamfilter oder andere Zensurmaßnahmen greifen, und ob diese Bestätigungen es überhaupt erkennbar machen. Doch zumindest diesen Teil könnte das Mailprogramm automatisieren:

  • Bestätigungen immer anfordern
  • eintreffende Bestätigungen mit der ursprünglichen Mail zusammenführen
  • Anzeige mit einem Symbol, ob und welche Bestätigung eingetroffen ist
  • Warnmeldung, wenn nach einer einstellbaren Zeitspanne nach Versand eine Bestätigung fehlt

Vielleicht sollte ich mal einen Feature Request bei Thunderbird stellen.


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