Symbolik – brauchen wir das wirklich?

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Ich bin ja eigentlich ein Fan von Bitbucket. Ich nutze es gern, weil es eine nützliche und übersichtliche Struktur hat und das Ticketsystem auch für Endanwender benutzbar ist. Es ist vielfältig und hilfreich, und dabei nicht überfrachtet mit sinnlosem Zeugs, das niemand braucht. Bis heute.

Da ich seit einiger Zeit von Mercurial nach Git gewechselt habe, nutze ich dieses nun auch für neue Projekte. Ein paar alte habe ich konvertiert (jemand Interesse an dem Script?), andere bleiben in Mercurial, was ja nicht schlechter wird, nur weil Git besser ist.

Als ich heute unter Windows mit TortoiseGit ein paar Commits gepusht habe, erschien das nebenstehende Bild in dem Protokollfenster. Das war noch nie so, normalerweise beschränkt sich die Ausgabe von Git auf technisch-sachliche Details. Im ersten Moment war ich daher etwas verwirrt und dachte schon, ich hätte mir einen Virus eingefangen. Oder Bitbucket.

Vielleicht war es auch ein Ausdruck der Fairness seitens der Obrigkeit und ich habe die Betaversion eines Staatstrojaners auf dem Rechner? Es ist ja inzwischen legal, meinen Rechner zu infiltrieren, warum also noch aufregen über Viren und andere Trojaner? Aber nein, die Erklärung war viel einfacher.

Im Forum von Atlassian (der Firma hinter Bitbucket) fand ich die Diskussion Do we really need ascii art in a push response? Scott Lawrence fragt, ob wir das wirklich brauchen, und ich stimme ihm zu. Die Antwort eines „Community Champions“ erklärte dann einiges, auch den in Regenbogenfarben eingefärbten Eimer, das Logo von Bitbucket.

In general Atlassian supports equality, including the global LGBT population. In solidarity with this people-group, Atlassian adds a few easter eggs to promote their efforts.

In this case, within America (and other places) June is Pride Month, a month dedicated to celebrating LGBT equality and rights. Atlassian is participating in this celebration.

Die Erwähnung von „whithin America“, gefolgt von dem nachgesetzten und eingeklammerten „and other places“ sagt mir schon alles. Daher frage ich mich, ob wir es uns wirklich gefallen lassen sollten, dass ein Land (und deren Firmen) uns ihre Denkweise aufdrücken? Haben wir, wenn der Juni schon „Pride Month“ genannt wird, nicht auch das Recht, auf uns stolz zu sein? Ist das dieses „America First“, von dem in letzter Zeit immer die Rede ist? Ich stelle es in Frage, dass in einer vernetzten Welt eine Nation den Ton für alle anderen angeben sollte. Ja, das ist ein politisches Statement!

Alternativen sind gefragt, und so habe ich mich mal ein wenig umgeschaut, was es noch so an Anbietern gibt, und bin auf GitLab gestoßen. Das sieht sehr interessant aus, und neben der Möglichkeit, es ebenfalls als Cloud-Hoster zu benutzen, kann man die Software auch herunterladen und auf dem eigenen Rechner laufen lassen. Klingt verlockend.

Symbole sind schön für Politiker, aber im realen Leben ist es doch wichtiger, das richtige zu tun und nicht nur darüber zu reden. Und solche komische ASCII-Arts in einem Produktiv-Tool brauche ich nun wirklich nicht, um Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Menschen („LGBT“) als menschliche Wesen zu akzeptieren, die für sich einfach nur einen anderen Weg gefunden haben, wie sie leben wollen. Es ist nicht mein Weg, aber das muss auch nicht sein. Ich akzeptiere ihren Weg, solange sie die Entscheidung für sich und niemanden sonst treffen, genau so wie ich für meine Person entscheiden möchte, welchen Weg ich gehen will. Auch das ist ein politisches Statement!

Und das geht für mich auch ganz ohne Symbolik.

Update: Bitbucket hat eine Einstellung hinzugefügt, mit der man diese Meldungen abschalten kann (Userbild -> Bitbucket Settings -> Kontoeinstellungen).


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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