Wer macht eigentlich unsere Website?

Flattr this!

„Herzlich willkommen auf unserer neuen Homepage“ steht auf so mancher Website eines Clubs. Was mit viel Arbeit — wie so oft von nur wenigen — begann, wird zunächst euphorisch begrüßt. Jeder ist froh, dass es geschafft ist, nun sind wir wer. Ein Verein mit Homepage!

Spitzfindig gesehen fangen die Probleme schon mit dem Begriff an: Oft wird einfach „Webseite“ gesagt. Eine „Webseite“ gibt es aber nicht, nein, es gibt Millionen, vielleicht Milliarden. Gemeint ist eigentlich eine „Website“ vom englischen Wort „site“ für „Stelle“ oder „Platz“. Auch der Begriff „Homepage“ ist irreführend, denn darin ist auch wieder die „Seite“ (engl. „page“) enthalten. Wie man es auch nennt, es sind jedenfalls viele Seiten, die gepflegt werden wollen. Und wenn eine Website sogar verschiedene Themen beackern soll, dann müssen auch an die Struktur einige Anforderungen gestellt werden. Letzteres nicht nur zu Beginn. Auch im laufenden Betrieb sollte sichergestellt werden, dass die neuen Artikel in den richtigen Kategorien erscheinen.

Für Websites mit eher kontinuierlichen Veröffentlichungen bietet sich eine Blogstruktur an, wie sie auch auf dieser Seite zu finden ist.

Die Zeit vergeht

Anri Sala: Clocked Perspective dOCUMENTA(13)
Anri Sala: Clocked Perspective
dOCUMENTA(13)

Am Anfang geht vielleicht alles noch seinen Gang. Doch dann, nach einiger Zeit, gerät die Homepage in Vergessenheit. Vielleicht war die eingangs erwähnte Übersetzung „Seite“ daran Schuld. Denn wenn die Planung mit dem Gedanken „es ist ja nur eine Seite“ im Hinterkopf erfolgt, wird unbewusst alle möglicherweise bevorstehende Arbeit ausgeblendet. Die Zeit steht still, die Beiträge altern, und irgendwann steht Weihnachten 2014 noch die Ankündigung einer Fotowanderung vom Mai 2012 ganz oben auf der Seite. Da weiß jeder Besucher, hier lohnt sich kein weiterer Besuch. Stillstand ist Rückschritt.

Wer macht eigentlich unsere Website? Warum sieht die immer gleich aus? Und warum schreibt eigentlich niemand (mehr) etwas?

Dieser Aufschrei eines Fotoclubmitglieds ist stellvertretend für einige Situationen, die ich miterlebt habe. Manchmal war ich selbst der für die Homepage verantwortlich, manchmal auch Freunde und Kollegen. Immer ist es die gleiche Krux: Um eine Homepage aufzusetzen, das Design festzulegen, alle Farben aufeinander abzustimmen usw. braucht es zwar einiges an Aufwand, aber das ist irgendwann geschafft. Die eigentliche Arbeit beginnt dann, wenn keiner mehr damit rechnet. Wenn Inhalte gebraucht werden.

Nun gilt es, Autoren zu finden. Menschen, die bereit sind, neben der Ausübung ihres Hobbies auch noch darüber zu schreiben. Idealerweise natürlich solche Menschen, die das auch können, stilistisch und inhaltlich. Dabei rede ich gar nicht von der Rechtschreibung. Rechtschreibfehler sind keine Schande, jeder macht mal welche, und mal ehrlich: Wer ist schon perfekt? Fehler in der Rechtschreibung und der Kommasetzung lassen sich durch ein kollegiales Vier-Augen-Prinzip schon auf ein Minimum drücken. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass kein Artikel online geht, wenn er nicht mindestens von einem anderen Mitglied geprüft und ggf. auch korrigiert wurde. Leider habe ich dazu kein Plugin gefunden, das dies erzwingen könnte, also ist Disziplin angesagt. Wenn sich überhaupt Autoren finden.

Webmaster, Coach, Motivationstrainer

Wenn es darum geht, Inhalte für die Website zu besorgen, bleibt dem Webmaster am Anfang meist nichts anderes übrig, als sie selbst zu schreiben. Das geht natürlich nur dann, wenn derjenige auch Mitglied in dem Verein ist, um dessen Website es geht. Solange es um Terminankündigungen oder Berichte über gemeinsame Aktivitäten geht, ist das auch nicht so aufwändig.

Mir macht so etwas Spaß, so dass ich das auch einige Zeit für die Vereine gemacht habe, in denen ich Mitglied war. Aber irgendwann gingen mir die Ideen aus, also nahm ich meine Suche wieder auf.

Doch selbst wenn ich den Leuten angeboten habe, mir das Material per Mail zu schicken mit dem Versprechen, ich würde es dann „schön“ machen, kam nur manchmal etwas, und das nur von wenigen. Aber immerhin, es kam etwas, und das war oft viel besser, als die Leute selbst glaubten.

Wahrscheinlich wird dem Webmaster nichts anderes übrig bleiben, als entweder weiterhin selbst Hand anzulegen, oder ein Seminar als Motivationstrainer zu besuchen.

Gastautoren

Eine Möglichkeit, die Website zu beleben, sind Gastautoren. Wenn sich jemand bereit erklärt, gegen Namensnennung und Verlinkung für einen Verein einen Artikel zu schreiben, kann das auch eine Bereicherung für den Verein sein. Zeigt es doch, dass hier jemand über den Tellerrand der monatlichen Sitzungen hinausblickt.

Potentielle Gastautoren könnten zum Beispiel bei einer öffentlichen Veranstaltung des Vereins angesprochen werden. Vielleicht bietet sich auch ein erfahrener Vortragender an, der sowohl Workshop als auch Artikel zum Vereinsleben beitragen kann. Das mag die Vereinskasse etwas belasten, ist aber im Sinne des gemeinsamen Weiterkommens oft eine gute Idee.

Voraussetzung für einen Gastartikel ist natürlich ein dauerhaft korrekter Urheberrechtshinweis (Autorennennung, Verlinkung) auf der Website. Das muss auch nach Designumstellungen überprüft werden. Denn wenn dann auf einmal alle Autorennamen wegfallen, ist ein verärgerter Gastautor eventuell noch das kleinste Problem.

Ferner muss gewährleistet sein, dass die äußere Form des Beitrags „vernünftig“ ist. Nur weil ich einen Fremdbeitrag per Copy&Paste sehr einfach übernehmen kann, bin ich nicht frei von meiner Sorgfaltspflicht. Das betrifft die schon angesprochene Orthographie- und Interpunktionsprüfung ebenso wie Satzstellung und die Positionierung der Illustrationen. Letzteres ist stark vom verwendeten Design der Website abhängig, so dass ein einfaches Kopieren fast niemals die Lösung sein kann.

Teamarbeit

Auch die Zusammenarbeit hat sich als äußerst fruchtbar erwiesen, wenn es um das Sammeln von Ideen geht. Spontane Gedanken sollten dabei nicht verloren gehen, sondern wenigstens in Stichworten notiert werden. Später kann das Team die Stichworte durchsehen, sortieren und evtl. weitere Geschichten dazu erfinden.

Ideen lassen sich übrigens hervorragend sammeln, wenn zu einer konkreten Fragestellung (z.B. „Artikel für unsere Homepage“) die A-Z-Methode verwendet wird. Dazu schreibt man die Frage sowie alle Buchstaben des Alphabets untereinander auf einen Zettel, kopiert und verteilt diesen. Jetzt sollte jeder für sich hinter jeden Buchstaben so viele Stichworte wie möglich schreiben, die mit dem Buchstaben beginnen und mit der Frage in irgendeinem Zusammenhang stehen. Dabei ist zunächst egal, ob die Stichworte das Problem mit der Frage beschreiben oder eine Lösung aufzeigen. Es geht um „Brainstorming“, hier wird noch nicht gewertet.

Anschließend tragen alle ihre Stichworte zusammen und es wird darüber diskutiert. Der gemeinsame Blick auf die Liste lässt vielleicht Assoziationen entstehen, die der einzelne nie gehabt hätte. Doch wie heißt es so schön: Das Team ist mehr als die Summe seiner Teile.


Übrigens: Mit SmallInvoice können auch Freiberufler wie ich sehr einfach Rechnungen erstellen, versenden und nachverfolgen. (Affiliate-Link)

Ähnliche Artikel:

AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

Kommentar verfassen