„Einfacher“ Dreisatz

2 + 2 = 5Dreisatz ist etwas, das wohl viele von uns aus dem Mathematikunterricht der Schule kennen, sollten wir zumindest. Oft jedoch haben die Menschen in meiner Umgebung Schwierigkeiten damit, diese doch noch recht einfache Formel korrekt anzuwenden.

Zwei Packungen Zucker stehen im Regal, eine mit 250 g und eine größere mit 2 kg. Die 250-g-Packung ist mit 49 ct angegeben, auf der größeren Packung steht der Preis 4,99 €. Welche ist billiger?

Schon überschlägig im Kopf zeigt sich interessantes. 2 kg sind 2000 g – schon das überfordert einige. 250 g passen 4 mal in 1000 g, also 8 mal in 2000 g. Die Preise überschlagen wir einfach mal mit 50 ct für die kleine und 5 € für die große Packung, das 10-fache also. Damit wird das schon übersichtlicher: Die 8-fache Menge in der größeren Packung kostet das 10-fache. Die größere Packung ist also kein gutes Geschäft, obwohl es immer noch so in unseren Köpfen verankert ist. Interessant, oder?

Aber es gibt noch schwierigere Fälle, denn man muss wirklich genau hinschauen!

Softwareentwickler
Frage: Ein Programmierer braucht 1 Woche für ein Problem, wie lange brauchen 2 Programmierer?
Antwort: 2 Wochen, weil sie dabei dauernd quatschen.

Projektmanager
Frage: Eine Frau braucht 9 Monate, um ein Kind zur Welt zu bringen, wie lange brauchen 9 Frauen?
Antwort: 1 Monat. Echt jetzt?

Wie seltsam und unterschiedlich diese Sichtweisen sind, zeigt sich oft an der Frage, ob es denn nicht schneller ginge, wenn man dem Team noch ein paar externe Entwickler hinzufügt. Dass sich der Manager dann wundert, wenn das Team einhellig „nein“ sagt, ist sicher der unterschiedlichen Sichtweise geschuldet; er weiß es einfach nicht besser, hat es vielleicht auf der Managementschule so gelernt. „Viel nützt viel.“ In manchen Bereichen stimmt das sogar: Mehr Leute, mehr Arbeitsergebnisse. Das gilt aber nur, wenn die Arbeit aufteilbar oder parallelisierbar ist, und wenn keine extra Einarbeitung erforderlich ist.

Nehmen wir an, du arbeitest in einer Verpackungsabteilung. Die Aufträge sind von der EDV bereits vorbereitet worden und liegen vielleicht in ausgedruckter Form (Lieferschein oder Packliste) vor. Vorausgesetzt es ist genügend Platz in der Halle, es gibt genügend Tische und Stühle und die Warenanlieferung aus dem Lager stellt keinen „Flaschenhals“ dar, dann können 20 Packer in der selben Zeit sicher doppelt so viele Pakete packen wie 10. Das ist wirklich ein einfacher Dreisatz, wenn man unterstellt, dass die neuen Packer den Job bereits kennen und von jetzt auf gleich einsteigen können. Wir sehen, es gibt wirklich viele Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit dieser einfache Dreisatz funktioniert.

In einem Team von Softwareentwicklern kann es bei bestimmten Aufgaben ähnlich aussehen, muss jedoch nicht. Wenn man es schafft, Anforderungen gut und klar zu formulieren, und das tatsächlich ausreicht, um in Software gegossen zu werden, dann mag ein weiterer Entwickler eine echte Hilfe darstellen. Wenn dieser jedoch erst in ein bestehendes Programm eingearbeitet werden muss, muss dafür zu Beginn sehr viel Zeit aufgewendet werden, die wiederum den an der Einarbeitung beteiligten Entwicklern verloren geht. Berücksichtigt man noch, dass der zusätzliche Entwickler in dieser Phase noch keinen Mehrwert darstellt, bedeutet das, dass das Projekt zunächst sogar langsamer fortschreitet als ohne den Neuen. Die oft gehörte Aussage „wenn wir überall in der Firma dieselbe Programmiersprache verwenden, können wir die Teams beliebig austauschen“ ist nicht unbedingt korrekt.

In einer heißen Phase eines Projektes neue Leute hinzuzufügen ist also kontraproduktiv.

Nebenbei bemerkt: Zwei Entwickler mögen länger brauchen als einer, aber wenn sie das geschickt anstellen, wird das Programm dann auch erheblich besser. Team Programming.

Zu der Frage, ob Zahlen immer und überall aussagekräftig sind, siehe auch meinen früheren Artikel Zahlenspiele und Mit Metriken managen: Mist! bei heise.de.

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