Wochenschau 15/2020

Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Ausgabe meiner persönlichen Wochenschau. Auch diesmal versuche ich, neben dem unvermeidlichen Coronavirus noch andere Themen anzusprechen, wie immer ganz subjektiv danach ausgesucht, was mir aufgefallen ist und was mich interessiert. Die Beiträge erheben weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch soll der Eindruck erweckt werden, dass mehr dazu nicht zu sagen wäre.

Der Ostersupermond

Erde, Mond und Universum (künstlerische Darstellung)

Bild von Lars_Nissen auf Pixabay

Ein “Supermond” ist seit einiger Zeit offenbar immer einen Bericht wert. Das Wort “Super” steht hier – sicher zu Recht – für einen besonders großen Mond. Natürlich ist er das nicht, er wirkt nur so, und außerdem ist der Größenunterschied eher gering. Na gut, so gering nun auch wieder nicht, immerhin sind es 14 %, also etwa 1/7. “Es wäre so, als würde man abwechselnd eine Ein- und eine Zwei-Euro Münze in 2,70 Meter Entfernung an einer weißen Wand betrachten” sagt Diplomgeologe Ulrich Köhler vom DLR-Institut für Planetenforschung.

Warum gibt es überhaupt diesen Größenunterschied? Das ist ganz einfach: Der Mond kommt auf seiner Umlaufbahn der Erde manchmal etwas näher, und manchmal ist er etwas weiter weg. Das hängt mit der Art der Bahn zusammen, denn diese ist elliptisch, nicht exakt kreisförmig. Auf diesen Dreh ist übrigens zuerst Johannes Kepler bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts gekommen.

Dies und andere interessante Informationen werden in diesem Artikel des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums erklärt. Außerdem noch Tipps für das Fotografieren, vielleicht sogar mit einer Bridge-Camera. Am Dienstag war es dann so weit, der Supermond ging auf, Abends, wie es sich für einen Vollmond gehört!

Die künstlerische Darstellung des Mondaufgangs vor dem Sternenhimmel ist zugleich auch das Symbolbild dieser Wochenschau. Denn trotz aller Corona-Probleme sollten wir ab und zu mal den Blick nach oben richten, positiv denken und vor allem langfristig. Nicht alles, was aktuell sinnvoll ist, sollte beibehalten werden (Ausgangsbeschränkungen, Handyüberwachung, etc.), und umgekehrt natürlich auch. Unsere Zukunft liegt irgendwo dort draußen. To boldly go, where no-one has gone before!

Datenspende

Über Handyüberwachung wurde ja in letzter Zeit auch schon viel geredet. Erst wurde befürchtet, dann spekuliert, dann ernsthaft darüber nachgedacht, für sinnvoll befunden und vor den Folgen gewarnt. Alls dran, alles drin. Anfang der Woche veröffentlichte das Rudolf-Koch-Institut nun eine App, die den wunderschönen Namen Corona-Datenspende trägt. Dabei sollen die Freiwilligen die Daten ihrer Fitness-Tracker dem RKI zur Verfügung stellen. Wunderschön ist der Name aus meiner Sicht deshalb, weil er endlich mal das thematisiert, was andere eher im Geheimen machen. Denn wir zahlen für viele der vermeintlich kostenlosen Angebote im Grunde ebenfalls mit unseren Daten. Wie die Datenspende-App genau tut, hat die Süddeutsche hier zusammengeschrieben.

Aber auch die Diskussionen über die Zwangsabgabe von Daten (“Handyüberwachung”) kann uns zu einer anderen Denkweise anregen: Müssen wir wirklich unser Smartphone überall mit hinnehmen? Wer darüber mehr wissen will, kann und sollte mal Edward Snowdens Buch “Permanent Record” lesen.

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Währenddessen sammelt die Polizei in Niedersachsen bereits fleißig Daten und stellt dies auch gegen den Willen der Datenschutzbehörde nicht ein. Ein Notstandsparagraf soll es richten. Ein Jurist in Niedersachsen hält das allerdings für gesetzeswidrig, und so recht will mir das auch nicht gefallen. Da ich aber ohnehin keine Fitnesstracker habe, falle ich eh aus dem Raster.

Datenspende v2.0

Einen ganz anderen Weg, um an unsere Daten (will heißen: Bewegungsprofile) zu kommen, wollen Apple und Google in ungewöhnlicher (weil seltener) Einmut gehen: Beide wollen eine Tracking-Funktion in ihre Smartphone-Betriebssysteme integrieren, die Informationen über Kontakte sammelt und weitergibt. Dabei soll Bluetooth zum Einsatz kommen, eine Technik, die nach meiner Kenntnis durch bisher fehlende Interoperabilität zwischen Android und iOS glänzt.

Spannend daran ist ferner, dass diese Funktion dann ganz tief im Smartie verborgen wäre, wo sie einerseits kaum zu blockieren ist, und andererseits auf Ewigkeit drin bleiben kann – und meines Erachtens auch bleiben wird. Wer weiß, wann die nächste Pandemie kommt und man eine solche Funktion mal wieder braucht. Ach, und weil sie schon mal da ist, wir hätten da noch Terroristen und Pädophile anzubieten, die müssen wir ja auch überwachen, und – na ja – wieso eigentlich nicht gleich alle, irgendwas findet sich ja bei jedem. Und wehe, ihr habt was dagegen, dann habt ihr sicher was zu verbergen. Und das ist besonders verdächtig!

Aber ganz ernsthaft: Bedenkt man, dass beide Firmen in den USA ansässig sind und dem Patriot Act und Nachfolgern unterstehen, kann man sich denken, worauf das hinaus läuft. Wenn ihr nicht wisst, wovon ich rede, hätte ich auch hierfür eine Lektüre zu empfehlen: Die Dystopie nsa – Nationales Sicherheits-Amt von Andreas Eschbach.

Da wird es doch langsam mal Zeit, sich mit LineageOS zu beschäftigen, oder?

Nun aber zu etwas ganz anderem.

Uranus ist anders

Uranus (Aufnahme durch Voyager 2, 1986)
Von NASA/JPL-Caltech (image link), gemeinfrei

Wir haben vielleicht in der Schule mal gelernt, dass die Planeten unseres Sonnensystems ziemlich genau in einer Ebene um die Sonne kreisen, der sogenannten Ekliptik. Der einzige, der es ein wenig anders macht, ist Pluto. Dessen Bahnkurve ist um 17° gegen die Ekliptik geneigt. Pluto trug zu meiner Schulzeit noch das Etikett “Planet”, wurde aber 2006 zum Zwergplaneten degradiert.

Im Gegensatz zu diesem ist Uranus eher brav, was seine Bahnkurve (nur 0,7° Neigung) anbetrifft. Dafür verfügt er aber über eine im Sonnensystem einmalige Eigenschaft: Seine Rotationsachse steht nicht wie bei den anderen Planeten etwa senkrecht zur Bahnebene, sondern sie liegt fast in dieser. Es wirkt, als ob Uranus irgendwann mal umgefallen wäre, so paradox das im Weltraum auch klingt. Die Ursache dafür ist noch ungeklärt, man vermutet einen Zusammenstoß mit einem anderen großen Planeten vor langer Zeit, woraufhin die Rotationsachse dann durch Kreiselkräfte gekippt ist. Allerdings waren die Simulationen bislang nicht sehr schlüssig.

Die Forscher um Shigeru Ida vom Tokyo Institute of Technology haben nun hingegen Faktoren einberechnet, die zu einem stimmigen Modell der Entstehungsgeschichte des Uranus und seiner Monde führen. Aus ihrem Modell geht nun plausibel hervor, dass Uranus in der Frühgeschichte unseres Sonnensystems von einem Eisplaneten der ein- bis dreifachen Masse der Erde getroffen wurde. In der Folge kippte der junge Planet um und es entwickelte sich das Mond- und Ringsystem, wie wir es heute sehen. (Quelle: wissenschaft.de)

 

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1 Kommentar

  1. Toll, deine Wochenschau gefällt mir!

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