Wochenschau 16/2020

Da sind wir wieder. Es ist Sonntag, die Wochenschau geht online – und wir sind immer noch in “Corontäne”. Inzwischen sind wir bei der dritten Ausgabe, und was soll ich sagen? Es macht Spaß, daher werde ich versuchen, diese Tradition auch nach dieser besonderen Phase fortzusetzen. Bitte klickt fleißig auf die Werbeeinblendungen in Text und Bild :-)

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Noch mal Schweden

Das Wappen Schwedens
Von Wiki-User Sodacan – Eigenes Werk, Gemeinfrei, (Quelle)

Es ist gerade mal zwei Wochen her, dass ich in meiner ersten Wochenschau Schweden und seinen anderen Weg erwähnte, mit der Corona-Krise umzugehen. Weniger Abschottung, mehr Eigenverantwortung, aber spezielle Risikogruppen nicht aus den Augen verlieren – so könnte man es auf den Punkt bringen. Nun fragt Kai Stoppel auf n-tv.de Hat Schweden am Ende recht gehabt?” und vergleicht die Maßnahmen mit denen anderer Länder.

Dabei haben die Schweden genau genommen nicht viel anders gemacht als andere Länder Europas. Die Empfehlungen der Nationalen Schwedischen Gesundheitsbehörde lauteten unter anderem: Wer sich krank fühlt, älter als 70 Jahre alt ist oder Vorerkrankungen hat, soll zu Hause bleiben. Zudem wurden die Schweden von ihrer Gesundheitsbehörde zum Arbeiten im Homeoffice und zum Abstandhalten aufgefordert, vor allem beim Einkaufen. Alles beruhte jedoch auf Freiwilligkeit.

Vielleicht ist der letzte Satz wirklich der wichtigste daran. Denn während Deutschland klare Regeln vorgibt und Strafen bei Nichtbefolgen androht, haben die Skandinavier schon von ihrer Wesensart her mehr das Positive der Menschen im Blick. Man denke an das “Allemansrätten”, das Jedermannsrecht, das sich ebenfalls auf die einfache Formel “inte störa, inte förstöra” (“nicht stören, nicht zerstören”) reduzieren lässt und sogar erst 1994 in ein schwedisches Gesetz eingeflossen ist.

Die freiheitliche und zugleich zurückhaltende Denkweise lässt sich auch an der Tatsache festmachen, dass schwedische Grundstücke fast nie durch Zäune abgegrenzt werden. Historisch sind es oft kunstvolle Steinmauern, deren Zweck sowohl die Kennzeichnung der Ackergrenzen war, als auch quasi eine Zweitverwertung der Steine, die man aus dem Acker heraus geholt hat. Denn gerade Südschweden gilt als “stenrik” (“steinreich”, und dieses Wortspiel funktioniert tatsächlich in beiden Sprachen), was den Ackerbau früher vor große Probleme gestellt hat.

Aber gerade das ist der Punkt: Kennzeichnen, nicht absperren! Bei den nordischen Menschen reicht das offenbar, und Tiere halten die Steinmauern gut genug ab. Vielleicht erklärt das auch den schwedischen Sonderweg, weil die Menschen aufgrund ihrer Gewohnheiten nicht nur kein großes Problem mit Abstand haben, sondern insbesondere außerhalb der Ballungszentren ohnehin weit voneinander weg wohnen.

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Vielleicht ist das das Fazit, das man daraus ziehen kann, und das auf der trivialen Erkenntnis beruht, dass eben doch nicht alle Länder gleich sind:

Ein Virus verbreitet sich einfacher in dicht besiedelten Gegenden. Auch das würde dafür sprechen, dass das schwedische Modell nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragbar ist.

 

Kontaktsperre sinnlos?

In letzter Zeit wird viel geschrieben, und naturgemäß (wenn man dieses Wort im Zusammenhang mit dem Internet überhaupt anwenden kann) steht im Netz auch viel gegensätzliches. Jeder glaubt es besser zu wissen (und auch ich schreibe hier ja nur meine Ansichten nieder), was solange kein Problem ist, wie man nicht darauf besteht, es wirklich besser zu wissen.

So ist auch kein Wunder, dass man einerseits die ausgesprochen positive Nachricht hört (am 17.4.2020 morgens in den Nachrichten auf Radio BOB), dass die Ansteckungsrate inzwischen auf 0,7 reduziert wurde. Drei Tage zuvor war bei heise.de zu lesen, dass gemäß einer Vorabversion der Studie vom 9. April “die Kontaktsperrmaßnahme vom 23. März offenbar so gut wie gar keine Auswirkungen auf den Verlauf der Fallzahlen gehabt hat”, man sehe nur einen mäßigen Effekt auf die Fallzahlen.

Dabei war aber schon des öfteren zu lesen, dass die Meldungen, die im RKI eingehen, oft mehrere Tage verzögert sind (laut dem Artikel sechs bis neun Tage, also eine bis anderthalb Wochen!) und sich dann auf zurückliegende Zeiträume beziehen. Damit sind tagesaktuelle Meldungen mit großen Abweichungen behaftet, was die Aussagekraft von Trends nochmal stark reduziert. Das Prinzip kennen wir von Wahlen: Auch die Hochrechnungen am Wahlabend basieren auf unzureichendem Datenmaterial und sind dementsprechend am Tag danach, wenn alle Daten vorliegen, ein wenig anders.

Das Problem dabei ist auf verschiedenen Seiten zu sehen. Zum Einen hätte der Bürger gern verlässliche Berichte über den Verlauf der Epidemie. Zum Anderen ist die Verlässlichkeit und die Aktualität von Daten für die Entscheider geradezu essentiell! Wenn man gerade in einer komplexen Situation über kurzfristige Änderungen erst deutlich verzögert informiert wird, ist keine realistische Einschätzung der Lage möglich und folglich auch keine kurzfristige Korrektur. Aber vielleicht ist die Entdeckung der Langsamkeit gerade bei stark schwankenden Werten sogar mehr Segen als Fluch.

Noch mal Datenspende

Kugel mit Nullen und Einsen im OverlayAuch Apple stellt nun Bewegungsdaten seiner User zur Verfügung. “Grundlage sei die Anzahl der Anfragen nach Wegbeschreibungen in den Apple-Karten, wie der iPhone-Konzern am Dienstag mitteilte.” (Quelle: heise.de) Wer also den Weg kennt und sein Navi nicht jedesmal erneut befragt, fällt aus diesem Raster heraus. Damit dürften die Zahlen um einiges geringer sein als die tatsächlichen Bewegungen. Immerhin scheinen die Daten kumuliert zu sein, also nicht auf Einzelpersonen bezogen.

Anders sieht es aus, wenn man Bewegungsdaten verwenden will, um Kontakte zu tracken, wie es Apple unter anderem ebenfalls plant. Laut dem Heise-Artikel haben auch Mobilfunk-Anbieter und Google solche Daten zur Verfügung gestellt.

Auch …

Bund und Länder haben sich auf eine gemeinsame Strategie zur Benachrichtigung von Corona-Kontakten mittels App geeinigt. (…) Der Ansatz sieht vor, dass Kontaktinformationen in anonymisierter Form mittels Bluetooth-Technologie und für drei Wochen auf den Geräten der Benutzenden ohne die Erfassung des Bewegungsprofils gespeichert werden. Wenn ein Kontakt positiv getestet wurde, sollen alle in der Kette darüber informiert werden, ohne dass man wissen muss, wer genau welcher Kontaktpunkt war.

(Quelle: netzpolitik.org).

Das klingt ja schon mal nicht mehr ganz so schlimm. Man darf hoffen, dass solche Maßnahmen nach dem Ende der Pandemie wieder herausgenommen werden. Allerdings würde ich das eher nicht erwarten.

GitHub günstiger

“GitHub”? Was soll das denn sein? Das werden sich einige Leser vielleicht fragen. Dies ist vielleicht das erste echte IT-Thema in meiner Wochenschau, aber es wird auch langsam mal Zeit dafür :-)

GitHub ist ein Anbieter für Softwareentwickler – einer von vielen. Es geht um Quellcodeverwaltung, die Erfassung von Tickets und allgemeinen Informationen über ein Projekt, die Zusammenarbeit eines Entwicklerteams und CI/CD. Da ich darüber schon viel geschrieben habe, habe ich hier nur die Artikel verlinkt. Viel Spaß beim Stöbern.

Nun aber zu GitHub. Dieser Anbieter hatte bisher (sowohl vor als auch nach dem Erwerb durch Microsoft) das Problem, dass private Projekte mit mehr als einem Entwickler kostenpflichtig waren. Bei anderen (z.B. Bitbucket oder GitLab) war und ist das nicht so. Jetzt mag man sagen, das sei doch egal, denn wer mit Software Geld verdient, der kann ruhig auch für solche Dienste bezahlen. Klar kann man das sagen. Aber es hat leider nicht jeder beliebig viele Ressourcen zur Verfügung, manche müssen aufpassen, mit welchen dauerhaften Kosten sie ihr Unternehmen belasten.

Nun aber die gute Nachricht: GitHub teilte am 15.4. in ihrer Mail mit:

We introduced a few changes to make all of the core GitHub features free for everyone. Private repositories with unlimited collaborators are now available for all GitHub accounts, and we’re reducing prices for some of our paid plans.

Das Preismodell kann man hier sehr übersichtlich einsehen. Damit ist GitHub nun auch für kleine Teams interessant, denen die Nähe zu Microsoft nichts ausmacht oder sogar besonders am Herzen liegt, die aber gleichzeitig nicht pro User und Monat ein paar Dollar bezahlen möchten.

Sternengeschichten

Florian Freistetter

Florian Freistetter ist Astronom. Astronomen, das sind die, die den Weltraum erforschen, jedoch nicht bereisen. Die heißen Astronauten oder Kosmonauten, je nach Herkunft. Gibt es eigentlich auch Germanonauten und Chinonauten? Eigentlich ist so eine Unterscheidung doch ziemlich bescheuert, sind wir doch alle “Humanonauten”, gewissermaßen. Denn auch die Erde bewegt sich durch das Weltall, und zwar auf einem ziemlich verrückten Kurs. Aber das nur am Rande.

Dass “Corona” nicht nur für den Virus Sars-CoV-2 alias Covid-19 steht, sondern auch für ein mexikanisches Bier, weiß inzwischen wohl fast jeder. Zu zahlreich waren die Witze am Anfang, dass Corona in Wahrheit doch gar nicht so gefährlich sei, wenn man halt nicht zu viel davon trinkt.

Dass eine “Corona” allerdings auch in der Sonne vorkommt, wissen vielleicht nicht allzu viele Menschen. Genau genommen ist die Corona die äußerste Schicht der Sonnenatmosphäre. Was es damit auf sich hat, erklärt Florian Freistetter in seinem Blogartikel.

Die Bezeichnung “Corona” kommt aus dem Lateinischen und bedeutet einfach “Krone”. Und genau das ist auch die Gemeinsamkeit. Denn die Corona der Sonne sieht, betrachtet man sie während einer totalen Sonnenfinsternis, wie eine Krone aus. Und genau so erscheint auch der Virus Covid-19 (und nicht nur dieser) unter dem Elektronenmikroskop.

Wer mehr über den Weltraum, das Universum und den ganzen Rest erfahren möchte, dem sei nicht nur Florian Freistetters Homepage und seine Bücher an’s Herz gelegt. Er betreibt nämlich auch einen wunderbaren Podcast, die Sternengeschichten.

 

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