Wochenschau 4/2022

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Man stellt sich ja viele Fragen, doch manche Fragen stellt man sich auch gar nicht. Nun könnte ich fragen, warum das eigentlich so ist, aber ich könnte diese Frage nicht beantworten. Doch über einiges hätte ich nie nachgedacht, wenn ich nicht irgendwann etwas davon im Netz gelesen hätte.

Leben wir schon in einer Diktatur?

Früher war alles besser. Heute leben wir in einer Diktatur. So behaupten es zumindest einige Zeitgenossen hartnäckig. Man dürfe nicht mehr alles sagen, es würde einem der Mund verboten werden, und so weiter. Letztlich mag das in Teilen zwar durchaus stimmen, denn es kann schon „gefährlich“ sein, gewisse Ansichten zu äußern. Das kann im einfachsten Fall die „Gefahr“ des Widerspruchs sein, aber es soll auch schon Kündigungen gegeben haben. Schwierig ist das allemal.

Dennoch, so schlimm wie in China ist es hierzulande wohl noch nicht.

Möglicherweise ungültig

Die Speicherung der Fingerabdrücke im Personalausweis seit Sommer 2021 ist möglicherweise unrechtmäßig erfolgt. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hatte jedenfalls „erhebliche Zweifel“. Inzwischen befasst sich der Europäische Gerichtshof damit.

Fakes, überall Fakes

Früher war alles besser. Früher hatte man allenfalls noch Probleme mit gefälschter Kunst, und vielleicht mit den Übertreibungen in der Bildzeitung. Früher waren gefälschte Nachrichtenmeldungen ein hübscher Gag auf Parties oder im Familienkreis. Heute kann sich jeder Depp Falschmeldungen ausdenken und im World-Weird-Web veröffentlichen, und nicht wenige Leute glauben das Geschreibsel dann.

Offenbar sind auch die zahlreichen Stellengesuche von Pflegekräften ein Fake. Diese suchen scheinbar in großer Zahl einen neuen Job, wenn ab Mitte März die Impfpflicht für Beschäftigte im medizinischen Bereich in Kraft tritt. Wie t-online.de schreibt, handelt es sich wohl um eine Kampagne von falschen Anzeigen, wie der Redakteur Andreas Rausch (RBB) herausgefunden hat. Er bemerkte bei Rückfragen zahlreiche nicht funktionierende Handnummern, und manchmal sogar bei deutlich unterschiedlichen Leuten dieselbe Nummer. Irgendwie seltsam.

Komplizierte Regeln

Früher war alles besser. Heute haben wir ganz komplizierte Regeln zu befolgen.

Der Twitterer Ringo Trutschke macht sich über die neuen Regeln zu PCR-Tests lustig: „PCR-Tests in der KW 04 nur für Hochrisikopatienten in Pflegeberufen mit Sternzeichen Widder oder Steinbock, Quersumme aus Geburtsdatum und Postleitzahl >50 und Lieblingsfarbe gelb.“

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In der Tat ist es zumindest interessant, wenn einerseits die PCR-Tests nur noch für spezifische Personengruppen zugelassen werden, andererseits der Genesenen-Status jedoch eben von diesem abhängig ist. „Auch wer nach der Corona-Infektion Ansprüche gegen Kostenträger, also zum Beispiel die Berufsgenossenschaft, geltend machen will, braucht bisher einen positiven PCR-Testnachweis.“

Der Grund für diese Beschränkung mag darin bestehen, dass Omikron deutlich ansteckender ist als seine Vorgänger und daher ein erhöhter Testaufwand entsteht. Jeder positive Schnelltest musste bisher  durch einen PCR-Test bestätigt oder widerlegt werden. Nun soll bereits der Schnelltest Anlass für Quarantäne-Maßnahmen geben.

Doch wie zuverlässig sind diese Schnelltests? Anscheinend gibt es verschiedene, so dass es wieder einmal auf den Einzelfall ankommt. Das Portal Schnelltesttest (kein Tippfehler!) der Initiative zerforschung gibt Auskunft darüber.

Kaum entstanden, schon kommt das Aus

Früher … ach nein, das passt hier irgendwie nicht. „Im November hatte eine Arbeitsgruppe von US-Präsident Joe Biden die Ansicht vertreten, als Emittenten so genannter Stablecoins sollten nur beaufsichtigte Banken zugelassen werden.“ Nun stößt Facebook (Meta) seine eigene Währung „Libra“ ab.

Alpha Bravo Charlie

Früher war alles … anders.

Es gibt da ein sogenanntes „Buchstabieralphabet“. Damit ist nicht „A, B, C“ und so weiter gemeint, denn diese Buchstaben lassen sich am Telefon manchmal schwer voneinander unterscheiden. „Be, Ce, De, Ge“ – das klingt doch recht ähnlich und führt mitnichten zu größerem Verständnis, eher zu größerer Verwirrung. Da ist eine alternative Begriffswelt recht hilfreich, und damit man auch in umgekehrter Richtung den richtigen Buchstaben assoziiert, ist eine Norm sinnvoll. Die lernt man einmal und dann ist es gut. Die Norm gab und gibt es tatsächlich, allerdings nicht nur eine.

Wie Ronen Steinke im Tagesspiegel schrieb, gab es seit der Erfindung des Telefons eine alte Buchstabiertafel. Dann kamen die Nazis und ersetzten die darin wie selbstverständlich enthaltenen jüdischen Vornamen durch deutsche. Offenbar blieb dies dann bis heute nahezu unverändert erhalten.

Nun ist zwar die Verwendung deutscher Vornamen nicht per se antisemitisch, wohl aber die Motivation, die damals zu der Änderung geführt hat. Sicher könnte man jetzt einfach zu den Ursprüngen zurückkehren, aber wo kämen wir denn hin, wenn wir nicht etwas grundlegend Neues erfinden würden. Und so könnte DIN 5009 demnächst deutsche Städte als „offizielle“ Buchstabierempfehlung herausgeben.

Mir ist jedoch noch etwas ganz anderes geläufig. Schon in in jungen Jahren entdeckte ich in meinem Ensslin Jugendkalender eine Anleitung, die Buchstaben mittels englischer (und daher international verständlicher) Worte zu diktieren. Dieses Amateurfunk-Buchstabieralphabet lernte ich bei der Bundeswehr dann erneut kennen, dort „NATO-Buchstabieralphabet“ genannt. Einmal lernen und nie wieder vergessen. Und dabei bin ich bis heute geblieben. Das schöne daran: Die Frage, ob ich nun jüdische oder deutsche Vornamen besser finde, hat sich mir nie gestellt. Und ich finde, so sollte es auch sein.

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