Ändern um des Änderns Willen?

ChangeHeute gibt es mal wieder Mecker vom Meister, wie Werner Brösel sich so treffend ausdrückte. Ich habe gerade mal wieder einem Kollegen bei Excel geholfen. Ein wichtiger Punkt dabei ist nicht nur der Umgang mit den Zellen und der Maus, sondern auch die Frage „wo ist was?“. Früher hatte ich das richtig gut drauf, aber seit die Ribbons eingeführt wurden, fühle ich mich eher wie ein Dichter: Suchen und Fluchen. Und das ist auch nach über 10 Jahren nicht anders geworden.

Warum musste man unbedingt eine eingeführte Benutzeroberfläche komplett überarbeiten? Was war an „Einfügen -> Namen -> Festlegen“ so falsch, dass man sich nun „Formeln -> Namen definieren“ merken muss? Klar, Namen werden irgendwann mal festgelegt, aber sie werden sehr oft im Zusammenhang mit Formeln verwendet. Beides macht Sinn, Gottseidank.

Ich gebe ja zu, in Word beispielsweise, da hat fast jeder Kursteilnehmer in den 90er Jahren sich gewundert, wieso die Seiteneinstellungen im Datei-Menü statt im Format-Menü zu finden waren. Auch hier hatte beides seine Logik: Die Seiteneinstellungen betreffen die gesamte Datei, sind aber zugleich eine Formatierung wie Zeichen- oder Absatzformate, nur halt auf einer anderen Ebene. Solche kleinen Änderungen hätte ich durchaus verstanden, und manches davon hätte die Oberfläche „runder“ gemacht.

Aber schon die Änderung von „Textbaustein“ in „AutoText“ oder „Schnellbaustein“ hat mich nicht wirklich überzeugt. Oder nehmen wir das Datenbankfenster in Access: Schön, einfach, übersichtlich. Dann aber musste es unbedingt ein integriertes und von Grund auf neu designtes Oberflächenelement werden, noch dazu verbunden mit einer massiven Umgestaltung des Einstellungs-Dialogs. Wozu?

Es gibt oft mehr als eine Kategorie, unter der man einen Befehl einordnen kann. Irgendwann muss man sich entscheiden, dann ist es aber auch gut. Wenn ich alle paar Versionen etwas ändere, müssen auch die Anwender alle paar Versionen etwas neues lernen. Das seinerzeit vorgebrachte Argument, die Ribbons seien für neue Anwender einfacher, halte ich im besten Fall für ein Scheinargument. Ja, schlimmer noch, Microsoft hat damit zugegeben, dass ihnen die zahlreichen bisherigen Anwender piepegal sind.

Wenn Änderungen nur um der Änderung halber gemacht werden (und das war genau mein Eindruck bei der Einführung der Ribbons), lehne ich das ab. Man musste offenbar eine massive Änderung der Benutzeroberfläche durchführen, um von der Tatsache abzulenken, dass man in der Funktionalität damals schon seit einem Jahrzehnt nichts neues erfunden hatte. Die Leute kaufen das Neue nur, wenn es anders ist, wenn es „cool“ ist.

Effizientes Arbeiten sieht anders aus. Denn man beachte dabei bitte, dass wir hier von einer Bürosuite reden, nicht von hippen Klamotten oder ähnlichem, und auch nicht von der Gestaltung der Regale in einem Supermarkt.

Nun bin ich bestimmt einer der letzten, der aus Prinzip jede Veränderung ablehnt. Wie oft habe ich mich über Sprüche wie „das haben wir schon immer so gemacht“ aufgeregt? Aber muss es denn wirklich auch dann eine Veränderung geben, wenn das bisherige erstens wunderbar funktioniert hat, und wenn zweitens das Neue keineswegs besser ist?

Und ganz persönlich: Warum umlernen, wenn etwas Altes super funktioniert hat? Oder bin ich einfach zu alt dafür?

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