Anreise – Gedanken

Manager’s Abstract:

  • Anreise, diesmal mit dem Auto: unspektakulär, dank Navi.
  • Wetter: großartig, dank Petrus (wenn es ihn gibt).
  • Pegnitz: rauscht, dank des Wehrs.
  • Biergarten: Kettensteg, Obatzder und Kellerbier.

So lasse ich mir eine Konferenz gefallen. Eine schöne Stadt, nette Leute, gutes Essen, gutes Bier. Ehrlich gesagt bin ich viel lieber in Nürnberg als in Hannover, obwohl auch jene Stadt ihre Reize hat und für mich etwas leichter erreichbar ist. Reize ja, nur halt nicht so viele. Aber auch Wien war nett (Access DevCon). Das Wetter veranlasst die Mädels dazu, sich luftiger zu kleiden, und dann ist da noch das stetige Rauschen der Pegnitz. Das schafft nicht mal die Fulda, abgesehen von den fehlenden Biergärten in Flussnähe. Kassel könnte sich von Nürnberg echt eine dicke Scheibe abschneiden, sowohl innenstadt- als auch biergartenkulturmäßig. Und überhaupt.

Auf der Pegnitz schwimmen einige Wasauchimmers, schwarzer Körper, rotweiße Köpfe. Ich kann sie nicht fragen, wie sie heißen, was sie sind. Vielleicht sind das diese Flüchtlinge? Wie Menschen sehen sie nicht aus. Vielleicht verstecken sie sich vor Raubvögeln im Dickicht des Ufers. Das Rauschen des Flusses, die Unterhaltungen der anderen Gäste, das gelegentliche „Pling“ der Radfahrer, alles ist wirklich ungewöhnlich beruhigend. Es ist einfach keine Hektik zu spüren. Auch die unaufgeregte Geschäftigkeit der Bedienung, die mit spielerischer Leichtigkeit zwei Maß in einer Hand hält, in der anderen ein Tablett mit den Speisen, beeindruckt mich immer wieder.

Jetzt ist die Sonne weiter gezogen, die mir zu Anfang direkt ins Gesicht geschienen hat, so dass ich die Kappe aufziehen musste. Nun hält der knaatschgelbe Schirm von „Zirndorfer“, von denen übrigens mein Kellerbier stammt, das blendende Licht am Himmel ab. Ein (noch-nicht-) Paar setzt sich an den Nebentisch, er wie eine jüngere Ausgabe von Jan Böhmermann (aber viel realer und viel netter), leicht fränkischer Dialekt, sie eine hübsche junge Frau. Sie bitten mich, ein Foto von ihnen zu machen. Allen Klischees trotzend trägt er keine Lederhose und sie kein Dirndl. Es ist alles so herrlich normal, ja, man möchte das Wort „tolerant“ benutzen, wäre es nicht inzwischen aus politischer Sicht ziemlich verbrannt.

Toleranz wird für die unmöglichsten Dinge eingefordert, leider allzu oft ohne für den umgekehrten Fall das gleiche zu tun. Aber es ist Toleranz von der schönsten Sorte, wenn weder die gelegentlichen Raucher, noch die Ess- oder Trinkgewohnheiten kritisiert werden. Niemand beschwert sich über meinen Laptop, darüber dass ich mein Bier zu schnell oder zu langsam trinke, dass ich eine lange Hose anhabe oder eine zu kurze, dass die Mädels zu kurze Röcke tragen oder zu lange, dass ich zu wenig Bart habe oder zu viel. Wenn man will, kann man ja über alles meckern. Schafft man es dann, dass der andere sich entschuldigt oder vielleicht sogar anpasst, dann hat man gewonnen und kann sich besser fühlen. Um mehr scheint es doch oft gar nicht zu gehen. Weltherrschaft? Langweilig.

Die Konferenz? Die ist erst morgen. Was da so kommt, darüber hatte ich ja schon geschrieben. Seit vielen Jahren reise ich immer schon am Freitag Mittag an. So ein paar Stunden vor Ort mit „Land und Leuten“ ist auch ein wenig Balsam für die Seele. So wie heute.


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