Obstsalat

Warum nennen Leute etwas „Apfel“, wenn es in Wahrheit doch eine „Birne“ ist? Ein paar Gedanken über den manchmal etwas seltsamen Umgang mit Sprache.

Apfel und Birne
Symbolbild (PublicDomainPictures, Pixabay)

Es gibt Computer, die nach einem Obst benannt werden. Gut, den „Apple“ kann man noch als Markenname durchgehen lassen. Bei „Windows“ hat sicher der Gedanke, dass Programme nun in Fenstern ablaufen, Pate gestanden. Ist das „Thinkpad“ am Ende ein Beweis dafür, dass das Denken gar nicht mehr im Kopf abläuft, sondern in der Kiste mit den vielen Knöpfen? Das würde so einiges erklären.

Auch das „Smartphone“ hat schon so manchen zu lustigen Sprüchen animiert, bis hin zu dem Meme „we live in times of smart phones and stupid people“. Apropos Smart, da gibt es doch so ein Auto, auch ein komischer Name dafür, aber sei’s drum. Marken halt.

Wenn ich aber einen beschreibenden Begriff für etwas suche, dann würde ich mir doch wünschen, dass er auch genau dieses ist: beschreibend. Bei einer völlig aus der Luft gegriffen Bezeichnung ist die Fremdheit sofort klar. Dass der Apfel nur ein Symbolbegriff für einen Computer ist, versteht man schnell. Kaum jemand würde in den Rechner hinein beißen, auch wenn das Logo genau dies suggeriert. Aber wie steht das mit zusammengesetzten Worten?

Da werde ich zu einem „Webinar“ eingeladen, offensichtlich eine neue Wortschöpfung, eine Kombination aus „Web“ und „Seminar“. Dem Namen nach klingt das so, als ob das ein Seminar ist, das ich im Web besuchen kann, ohne physisch meinen Arbeitsplatz verlassen zu müssen. Ich frage trotzdem sicherheitshalber zurück, was ich dazu brauche. Konkret wollte ich wissen, ob Browser und Internetzugang ausreichend seien. Antwort: Ja. Bei der Anmeldung erfahre ich jedoch, dass mein Betriebssystem nicht unterstützt wird. Die fast ungläubige Rückfrage „Was verwendest du denn für ein Betriebssystem? Windows und Mac funktionieren!“ lässt vermuten, dass der Sprecher von nichts anderem bisher gehört hat. Tja, mit Ubuntu gibt’s dann halt kein „Webinar“, obwohl Ubuntu und andere Linuxe ganz hervorragend mit „dem Web“ klarkommen.

„Das sagt man halt so“ ist vielleicht die häufigste Erklärung, die ich bei solchen Widersprüchen erhalten habe. Manchmal kann man halt nix machen, dann ist das eben so. Aber ich habe manchmal auch keine Lust, immer wieder Umwege zu gehen, nur damit andere Leute es einfacher haben. Selbst ein vermeintlich kostenloses Webinar ist letzten Endes vermutlich alles andere als kostenlos. Entweder ich zahle durch den Einsatz sinnlos verbrachter Zeit (wenn das Seminar mir nichts gebracht hat), oder durch den anschließenden Kauf einer Ware oder Dienstleistung (zu dem ich mich wegen des kostenlosen Seminars verpflichtet fühlen könnte), oder eben durch den Aufwand den ich betreiben muss, um überhaupt daran teilnehmen zu können (Windows-Rechner besorgen). Vielleicht wäre auch der alternativ oft gebrauchte Begriff „umsonst“ aufgrund seiner Doppelbedeutung passender.

Wenn ich nämlich den Eindruck habe, dass mich der Anbieter dieses kostenlosen Wasauchimmers einfach nur ködern will, um mir später vielleicht ein teures Gerät oder Seminar zu verkaufen, dann kommt mein innerer Trotzkopf hoch. Denn dann will „der Andere“ ja etwas von mir. Und dazu werde ich mich nicht verbiegen.

„Kostenlose Präsentation per Internet (nur für Mac und Windows)“ das wäre doch irgendwie ehrlicher, oder? Aber das ist ja nicht so cool wie eine neue Wortschöpfung, unter der jeder etwas anderes verstehen kann. Im Zweifel ist es nämlich immer besser, wenn der andere Schuld ist, mindestens aber ein schlechtes Gewissen hat.

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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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