Eile mit Weile!

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Kommen wir zu Nummer 3 der Sieben Dinge, die dein Chef nicht über Softwareentwicklung weiß: Schnell oder richtig, beides geht nicht. Wer kennt nicht den Spruch „ICH HAB DAS ALLES SCHON MAL SCHNELLER GESEHEN“? Besonders, wenn der Betreffende dem Betroffenen mit kräftiger Stimme vermitteln will, dass er oder sie sich doch mal ein wenig beeilen möge. Doch wie sinnvoll ist das?

Stellen wir uns doch mal einen Fliesenleger vor. Es geht um den neuen Belag für die Terrasse. An der Stelle ist im Moment eine Buckelpiste. Früher nannte man es mal „Rasen“, aber dann kamen zwei Hunde und haben fröhlich miteinander gespielt, nebenbei ein paar Löcher gegraben und intensiv gehofft, die eine oder andere Maus (oder vielleicht Trüffel) auszugraben. Da kann man jetzt nicht mal mehr mit Wanderschuhen gefahrlos drüberlaufen, ohne in einen Bombenkrater zu fallen und in Australien wieder aufzuwachen. Unterwegs schauen wir beim Erdkern vorbei, ob er sich auch noch richtig herum dreht. Jules Verne hätte seine Freude daran.

Nun beauftragen wir also einen Handwerker, der soll das mal ordentlich begradigen und am Ende wollen wir eine hübsche Terrasse haben. Die Campingstühle sind schon bestellt, ebenso die Zutaten für den Mojito. Und der Handwerker kommt und macht. Was er macht, verstehe ich zwar nicht so recht, aber er wird schon wissen, was er tut. Es dauert und dauert. Irgendwann wird es mir zu bunt, und dann kommt der obige Spruch. Und dann beeilt er sich. Super, denke ich mir, geht doch, der Knabe hat vorher einfach nur getrödelt. Am Ende ist die Terrasse fertig. Jeder Bombenkrater ist mehr oder weniger mit Fliesen ausgekleidet. Keine gerade Linie, schon gar keine ebene Stelle. Irgendwie scheint das Kunst zu sein, sieht nach Hundertwasser aus, aber das mit den Campingstühlen werde ich wohl vergessen können. Könnt ihr euch das vorstellen?

Wie konnte das nur passieren? Dabei hatte ich doch klar gesagt, „Terrasse“, und damit ist doch klar, dass die schön waagerecht verlaufen soll! Dass zuvor die Buckelpiste begradigt werden muss, das weiß man doch! Klar, das ist vielleicht sogar richtig, der Auftrag mag klar gewesen sein. Aber dann kam dieses unsägliche „das muss schneller gehen“. Und darunter leidet dann entweder die Vollständigkeit oder die Qualität, oder beides. Witzig, oder? Hat der Handwerker am Ende einen Arbeitsschritt weggelassen, um die neue Anforderung „schneller“ umzusetzen?

Überraschung: Mit der Softwareentwicklung ist es genau so. Vielleicht verzichtet man einfach auf’s Testen. Ist eh was für Feiglinge.


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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