RFC 7725 schlägt HTTP-Error 451 vor

Als Ray Bradbury 1953 seinen Roman „Fahrenheit 451“ veröffentlichte, war das Internet noch nicht erfunden. Dennoch hat dieser Titel es inzwischen in das bislang modernste Kommunikationsmittel geschafft und damit eine Brücke zwischen alt und neu geschlagen, die einfach genial ist. Auch wenn der Anlass für beides eher traurig ist.

Feuer (Symbolbild)Wie unter anderem Heise und Yoast berichteten, wurde im Februar 2016 von Tim Bray der RFC 7725 (Quelle) eingereicht. Er griff die Idee von Terence Eden auf und schlug vor, den HTTP-Statuscode „451 Unavailable For Legal Reasons“ einzuführen. Dieser soll Inhalte kennzeichnen, die aufgrund einer Gerichtsentscheidung nicht mehr verfügbar sind: „This status code indicates that the server is denying access to the resource as a consequence of a legal demand.“

Die Zahl in dem RFC geht auf den eingangs erwähnten dystopischen Roman zurück. Dieser erzählt von einem Staat, der Bücher verbrennt und deren Leser inhaftiert oder tötet, weil diese eine Denkweise favorisieren, die nicht systemkonform ist. Die Menschen, die diese Aktionen durchführen, werden euphemistisch „Feuerwehrmänner“ genannt. Die Temperaturangabe entspricht etwa 233 °C und wurde von Bradbury stellvertretend als Selbstentzündungstemperatur von Papier angenommen. Laut dem Heise-Bericht ist diese jedoch von vielen Umständen abhängig und liegt tatsächlich im Bereich zwischen 180 und 360 °C.

Heutzutage müssen keine Bücher mehr verbrannt werden. Da das Wissen unserer Zeit inzwischen weitgehend digital vorliegt, sind nachträgliche Veränderungen leichter möglich, als sie z.B. George Orwell in „1984“ noch beschrieben hat. Der Vorgang des Umschreibens der Geschichte wurde in dem im nämlichen Jahr erschienenen Film sehr anschaulich dargestellt. Im Gegensatz dazu lassen sich Daten leichter in eine angenehmere Form bringen, was sowohl ihre Präsentation als auch ihre inhaltliche Aussage betrifft. Orwells Romantitel basierte übrigens auf dem Entstehungsjahr 1948; er vertauschte einfach die beiden letzten Ziffern. Insofern scheint die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg beide Autoren nachhaltig beeinflusst zu haben.

Einen Zusammenhang mit dem relativ neuen Begriff der „political correctness“ konnten weder Bradbury noch Orwell erahnen. Über Fahrenheit 451 schreibt Wikipedia: „Selbständiges Denken gilt als gefährlich, da es zu antisozialem Verhalten führe und so die Gesellschaft destabilisiere.“ Honi soit qui mal y pense.

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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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