Scrum – Halbzeit – eine persönliche Retrospektive

Halbzeit“ ist natürlich nicht der richtige Begriff, denn ich habe nicht vor, nach einem Jahr mit Scrum aufzuhören. Aber ein halbes Jahr Übung mit Scrum ohne Ausbildung ist sicher einen ersten Rückblick wert. Sozusagen meine persönliche Retrospektive.

Ein halbes Jahr Scrum. Was haben wir geschafft? Was liegt noch vor uns? Was lief gut, wo können wir uns verbessern, und was für Steine lagen im Weg? Dies sind die üblichen Fragen im Daily Scrum, und im Grunde ja auch in der Retrospektive, die das Team nach jedem Sprint machen sollte. Und ich will mal versuchen, diese Fragen meinem Spiegelbild zu stellen.

Was lief gut?

  1. Von Anfang an waren alle „voll dabei“. Wir sind zwar nur 3 Leute (mich eingeschlossen), aber gerade dann könnte es genügend Reibungsverluste geben, wenn einer nicht mitgehen will. Das war nicht der Fall, und das war gut.
  2. Eine Schrankwand stand zur Verfügung, die zum Scrum-Board wurde, die Türen sind die Spalten der Tabelle. Und niemand hat sich darüber beschwert.
  3. Die erste Idee der Scrum-Karten, die mittels Tesafilm auf den Schrank geklebt werden, hat sich bewährt. Eine Verbesserung der Karten wurde inzwischen ebenfalls eingeführt.
  4. Langsam kriegen wir Routine in der Abwicklung.
  5. Die Kommunikation im Team funktioniert.
  6. Wir arbeiten nicht dogmatisch nach „Scrum, wie es sich gehört“, sondern schauen, welchen Nutzen jede Aktion für uns bringt. Und wir reden darüber. Wenn jemand Urlaub hat und für die Retrospektive ausfallen würde, wird sie eben ein paar Tage später gemacht.

Was könnte verbessert werden?

  1. Das Daily Scrum gerät immer noch oft zu lange. Wir sprechen über zu viele Details, anstatt uns auf die drei Kernfragen zu konzentrieren. Ich werde versuchen, einen Wecker mit Countdown-Funktion aufzutreiben.
  2. Wir schieben Tests zu lange vor uns her. Dann häufen sich die Karten in der Testing-Spalte, aber keiner will so richtig „ran“.
  3. Es fehlt eine Rückzugsmöglichkeit für die Retrospektive. Da müssen wir uns etwas einfallen lassen, um ungestört zu sein.
  4. Ich bin sicher, dass wir die Velocity erhöhen können. Sie schwankt im Moment allerdings noch zu stark, um dies genauer zu sagen.
  5. Wir haben (entgegen der reinen Lehre und unseren Wünschen) doch Stories angenommen, die bei Sprint-Beginn nicht vorgesehen waren. Das sollten wir abstellen.
  6. Ein Sprint über 4 Wochen ist möglicherweise doch zu lang. Wir sollten mal darüber reden, ob eine Verkürzung auf 2 Wochen sinnvoller wäre.

Wie geht es nun weiter mit Scrum?

  • Eines ist klar: Es geht weiter mit Scrum. Die nächste Retrospektive werde ich besser vorbereiten und evtl. sogar außerhalb der Büroumgebung organisieren.
  • Das aktuelle Projekt ist eher ein Maintenance-Projekt, weshalb vielleicht eine Mischung aus Kanban und Scrum besser geeignet wäre. Wir werden auch darüber mal nachdenken.
  • Für ein anstehendes Entwicklungsprojekt wird das Team voraussichtlich noch aufgestockt werden. Ich hoffe sehr, dass auch alle Neuen sich mit Begeisterung in das Scrum-Team integrieren.

Und ich überlege, nach dieser Anfangserfahrung doch noch eine Scrum-Master-Ausbildung zu machen, obwohl ich Zertifikaten nach wie vor skeptisch gegenüber stehe. Ich werde mir daher sehr genau anschauen, wie die Rückmeldungen von Teilnehmern sind, denn eine Vorlesung der Scrum-Basics brauche ich jetzt wohl nicht mehr.


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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