Sehenswürdigkeiten

Ich sitze … ja, ich weiß, meine Artikel fangen in letzter Zeit häufiger so an. Aber das ist mir egal, ich schreibe halt, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Ich sitze also in einem kleinen … Bistro, so könnte man es nennen. Italienisch. Kein Restaurant, eher ein Restauräntchen, italienisch also Ristorantino. Ich habe eine Bruschetta mit einem dunklen Hefeweizen bestellt. Eigentlich würde ein Rotwein besser dazu passen, aber ich hatte Durst, und da ist Rotwein keine so gute Idee. Ich sitze also hier, die Bruschetta ist längst ge-, jedoch nicht vergessen, und ich komme ins Grübeln.

Was ist sehenswert an einer Stadt, die man schon häufiger besucht hat? Nichts einfacher als das, denke ich mir und tippe bei Google „Sehenswürdigkeiten Hannover“ ein. Die Liste kommt schnell, wie man das von Google gewohnt ist, doch es sind „die üblichen Verdächtigen“ darunter: der Maschsee, das neue Rathaus, der Kröpke, die Herrenhäuser Gärten mit dem Aquarium. Der Kröpke ist vielleicht die größte Überraschung dabei. Eine Stadt, die ihr eigenes Zentrum als „sehenswürdig“ bezeichnet, hat schon was. Würde für Kassel die Königsstraße auf dieser Liste stehen? Wohl kaum.

Dabei ist Hannover alles andere als eine langweilige Stadt. Die genannten Orte sind naturgemäß auch einen zweiten Besuch wert. Und wie ich an anderer Stelle bereits schrieb, dass die Besucher der documenta die eigentlichen Kunstwerke sind, so auch hier: Erst die Menschen in der Stadt machen Hannover zu dem, was es ist.

Das ist selbst bei Regenwetter so. Während die Tropfen unermüdlich vom Himmel tropfen, wie Tropfen das nun mal tun, stapfen die Menschen ebenso unermüdlich durch den Regen. Mal mit Regenschirm, mal mit Hut und Mantel, mal ganz ohne. Ohne Kopfbedeckung meine ich. Sie alle haben ein Ziel, das in diesem Fall wohl nur ausnahmsweise identisch mit dem Weg ist. Außer vielleicht die „Nichtsesshaften“ dazwischen, deren Ziel in der Tat der Weg durch die Fußgängerzone sein dürfte, auf der Suche nach Nahrung oder einem Almosen, nach Pfandflaschen oder anderem verwertbarem Kram. Sie sind eigentlich unterstützenswert, obwohl viele Leute sagen, „es gibt doch Sozialhilfe“. Genaugenommen sind sie vielleicht die vergessenen Flüchtlinge, vergessen vom Staat, der mehr Geld in diese Menschen steckt, die auf abenteuerlichen Wegen nach Deutschland gekommen sind, und der organisatorische Glanzleistungen zu vollbringen scheint, solange nur sichergestellt ist, dass auf keinen Fall auch nur ein einziger der eingangs erwähnten Personengruppe etwas von diesen „Segnungen“ abbekommt. Diese Nichtsesshaften brauchen vielleicht viel mehr unsere Unterstützung als die Flüchtlinge, die sie ohnehin bekommen und vielleicht zu einem nennenswerten Teil gar keine echten Kriegsflüchtlinge sind. Denn es hat sich vermutlich schnell herumgesprochen, dass jemand ohne Pass, der behauptet, aus Syrien zu kommen, erstmal ausgesorgt hat. Solange er kein Christ ist.

Die Menschen hier im Piazza Cappucino scheint das alles nicht zu stören.


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