Willkommen im 21. Jahrhundert!

Um die Option „xyz“ zu Ihrem Vertrag hinzuzubuchen, füllen Sie dieses PDF aus, unterschreiben es und schicken es per Fax an folgende Nummer: …

Es mutet an wie eine Handbuchseite aus der Anfangszeit der Computer. Wir leben im 21. Jahrhundert. Dachte ich jedenfalls. Amazon bietet die 1-Klick-Bestellung an. Wir  kommunizieren mit tragbaren Computern, die leistungsfähiger sind, als der, mit dem man seinerzeit zum Mond geflogen ist! Wir (jedenfalls einige von uns) haben Glasfaserkabel im Haus liegen, über die wir eMails in Sekundenschnelle auf die andere Seite unseres Planeten schicken können.

Und dann kommt ein Internet-Provider, also jemand, der diesen ganzen Kram überhaupt erst möglich macht, und verlangt von mir das obige. „Sie können das PDF ja auch per eMail schicken“, lässt der Supporter verlauten. „Ja“, sag ich, „aber dann ist aber keine Unterschrift drauf!“ Und er nur lapidar: „Ausfüllen, ausdrucken, unterschreiben, einscannen, eMail schicken“

Dabei besteht das Formular, das ich auszufüllen habe, zu einem wesentlichen Teil aus Informationen, die der Provider bei mir – einem Bestandskunden – ohnehin schon hat:

  • Kundennummer
  • Name
  • Adresse
  • Telefonnummer
  • bestehender Vertrag

Einzig zwei winzige Fragen kann er sich nicht selbst beantworten: Was will ich, und wie schnell will ich es? Und dafür soll ich ein zweiseitiges PDF (DIN-A-4-Format) ausfüllen, ausdrucken, unterschreiben, wieder einscannen und dann per eMail schicken? Ein winziges HTML-Formular im ohnehin existierenden Kundenbereich hätte ausgereicht und nebenbei noch den Vorteil, dass der Auftrag sofort im EDV-System des Providers landet.

So wie es jetzt gelaufen ist, muss sich jemand die Mail anschauen, durchlesen, die Kundennummer abtippen und die Änderungswünsche in besagtes System übertragen. Das muss vermutlich ein Mensch machen, denn aus dem theoretisch maschinell auswertbaren PDF ist inzwischen ein JPG geworden. Viel Spaß dabei! Ja, es gibt OCR, aber das muss auch erstmal eingerichtet werden und bitte, warum denn den Aufwand?

Und natürlich muss ich das Dokument dreimal unterschreiben: Wegen der Widerrufsbelehrung, der Beratungseinwilligung (die ich nicht angekreuzt habe, aber das zugehörige Unterschriftenfeld ist mit „für den Auftrag“ gekennzeichnet – sicher ist sicher!), und ganz unten nochmal (wofür eigentlich?), zweimal dabei sogar mit dem Datum.

Willkommen im 21. Jahrhundert!

Fortsetzung folgt

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