Odyssee nach Neuland, oder: 1 + 1 = 0

Wir leben angeblich im Informationszeitalter. Das Internet ist nicht erst seit gestern bei der breiten Masse angekommen, und auch Gespräche mit weit entfernten Personen, früher der Telefonie vorbehalte, können inzwischen dank Skype und ähnlichen Programmen über den Computer und das Netz erledigt werden. Der Nebeneffekt ist, dass solche Gespräche von PC zu PC kostenlos sind, zumindest wenn man die sogenannten „Ehda-Kosten“, also die Grundgebühr für DSL, vernachlässigt. Doch was ist, wenn dies alles nicht mehr ist?

Eine Störung in Verbindung mit der Empfehlung des Telekom-Supports (sinngemäß „ist ja klar, Ihre Hardware ist total veraltet, die müssen Sie komplett ersetzen“) veranlasste uns, zu 1&1 zu wechseln. Günstigere Monatsgebühren bei sogar erhöhter Leistung und zwei SIM-Karten dazu, mit denen wir untereinander und in das Festnetz kostenlos telefonieren konnten, das klang verlockend. Auch war weder 1&1 ein allzu junger Anbieter, noch schätzten wir die VoIP-Technik als noch kinderkrankheitenbehaftet ein. Nach der fristgerechten Kündigung unseres langjährigen Telekom-Vertrages begann Ende März 2015 die Kreuzfahrt durch die Neulandsee mit der „HMS 1und1″. Sie stellte sich inzwischen als Odyssee heraus.

Die ehemalige Telekom-Tochter 1&1 agiert seit längerem unter dem Dach des Mitbewerbers Vodafone, der aber bezüglich der Netzabdeckung (D2) im Mobilfunk durchaus dem Platzhirschen (D1) vergleichbar ist. Mein Vodafone-Internettarif für das Tablet und die Edeka-Mobil-SIM-Karten (ein Reseller im Vodafone-Netz) meiner Familie hatten gezeigt, dass deren Technik allemal auf der Höhe der Zeit ist. Anders scheint es bei leitungsgebundenen Diensten zu sein. Nachdem anfänglich für etwa 4 Wochen nur geringe Probleme bei der Telefonie (VoIP) auftraten, haben sich diese seit dem 27. April 2015 massiv verstärkt. Inzwischen sind es fast 3 Wochen, dass das Internet und damit die VoIP-Verbindung alle paar Minuten ausfällt, was sowohl Telefongespräche als auch Online-Spiele völlig unmöglich macht. Selbst Homebanking ist kaum möglich, und um diesen Artikel einzustellen brauchte ich, nachdem er in knapp 10 Minuten geschrieben war, fast eine Stunde. Das kann nicht Stand der Technik sein.

Da ich selbst in der IT-Branche arbeite, habe ich naturgemäß viel Verständnis für technische Probleme. Ich habe aber auch mehrere Jahre als Supporter gearbeitet und kenne somit sowohl die Kundenseite, als auch die Seite der bedauernswerten Menschen, die den Unmut der Kundschaft tagtäglich abbekommen. Rückblickend auf die 3 Wochen angeregter Gespräche mit dem 1&1-Support muss ich jedoch sagen, dass deren Einsatzbereitschaft wohl eher auf der Ebene der Kundeberuhigung als auf der Lösungsebene angesiedelt ist. Das Aufnehmen eines Tickets, das Durchmessen der Leitung („ja, ich sehe, da ist ein Fehler“), das Austauschen der Fritz-Box („ja, dieses Modell macht oft Probleme, wir tauschen das kostenlos aus“), das Beauftragen eines Technikers des „Netzbetreibers“ (übrigens immer in der dritten Person, der Name des Betreibers wird interessanterweise fast nie genannt) und das überzeugend klingende Verständnis für die Probleme des Kunden, das sind die Fähigkeiten, die ein 1&1-Supporter wohl auch im Schlaf beherrscht. Schlecht reden über Kollegen gehört gelegentlich ebenfalls dazu, man sagt halt alles, was der Kunde hören will. Je länger er still hält, so scheint’s, desto besser. Selten sind welche dabei, die mehr in der Hinterhand zu haben scheinen. Diesen wenigen würde ich Unrecht tun, wenn ich den Support allgemein verteufeln würde. Spreu und Weizen, wie so oft im Leben.

Zwei Technikertermine wurden inzwischen vereinbart (das alles geht wunderbar über den 1&1-Computer mit Stimmensynthesizer). Einer davon ist bereits verstrichen, ohne dass sich jemand hätte blicken lassen. Auch dafür gibt es natürlich eine gute Erklärung des Supports: Der Techniker würde sich zunächst die Leitung am Vermittlungskasten anschauen, und wenn er den Fehler dort beheben kann, dann brauche er ja nicht zu uns zu kommen. Auf meine Frage, warum dann das Problem immer noch besteht, wenn er es doch offensichtlich behoben haben muss, habe ich irgendwie keine rechte Antwort bekommen. Man blickt lieber in die Zukunft, und macht einen zweiten Termin. Von der Notwendigkeit einer Terminvereinbarung erfahre ich jedoch zunächst nichts. Erst mein nächster Anruf beim Support, weil immer noch nichts funktioniert und wieder nichts passiert ist, führt zu der automatischen Ansage, dass ein Termin vonnöten sei. Der Workflow lässt sich bestimmt noch etwas optimieren.

Als vorläufiges Fazit bleibt zu sagen, dass im Verlaufe von 6,5 Wochen „Mitgliedschaft“ 2,5 Wochen Ausfallzeit eine Verfügbarkeit von 61,5 % ergeben. Der Fotograf in mir jubelt, denn dies entspricht fast perfekt dem Goldenen Schnitt. Jedoch ist dies im Rahmen des Betrachteten alles andere als optimal.

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SNEK4: Server überwachen (Uwe Ricken)

Uwe Ricken legt bei seinem zweiten Vortrag erneut eine ordentliche Geschwindigkeit vor, die dem erfahrenen Schnellsprecher Bernd Jungbluth alle Ehre macht. Es ist sein eigener Stil, technisch trockene Themen mit originellen Einfällen aufzulockern. Wo Bernds Humor eher hintergründig rüberkommt, schlägt Uwe alle mit seiner Frohnatur in seinen Bann.

Um mich nicht zu wiederholen, will ich nur kurz ein Beispiel schildern, ein Bild, das Uwe während seines Vortrages verwendet hat. Wie im ersten Vortrag der Türsteher eines Warenhauses herhalten musste, wird nun das Warten auf das Essen heute Mittag thematisiert. Es gab an der Fleischausgabe nämlich einen Stau. Dieses Warten entspricht in gewisser Weise auch dem Warten der Jobs im SQL-Server auf Abarbeitung. Während die auf das Fleisch wartenden Gäste nutzlos in der Schlange stehen, werden andere Gäste, die kein Fleisch haben wolen, bevorzugt abgefertigt. In beiden Fällen kommt eine Warteschlange zum Einsatz. Und in beiden Fällen ist es wichtig, eine Strategie zu haben, wie man sich ggf. in der Warteschlange nach vorn mogeln kann.

Auch der SQL-Server bedient sich dieses Prinzips. Jeder Job hat genau 4 ms Zeit, seine Aufgaben abzuschließen. Kann er das nicht, sondern muss auf eine Ressource warten, gehg er in den Zustand „suspended“ über. Ist seine Ressource verfügbar, wechselt er in „runnable“, um dann, wenn er an der Reihe ist, weitere 4 ms an seiner Ausführung zu arbeiten. Ist die Zeit um, ohne dass er fertig geworden ist, geht er entweder wieder in den Zustand „runnable“ über, oder eben „suspended“, falls er eine andere Ressource angefordert hat.

So ist gewährleistet, dass keiner unnötig lange warten muss, nur weil ein Kunde vor ihm einen Joghurtbecher aus dem hintersten Regal holen muss. Wäre doch die Kassiererin auch so flexibel wie der SQL-Server :-)

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SNEK4: Data Tools in der Praxis (Bernd Jungbluth)

Bernd Jungbluth (rechts)„Versionshölle“ ist ein wirklich treffender Begriff für das Chaos, das Microsoft bei den SQL Server Data Tools „geschaffen“ hat. Bernd Jungbluth erläutert zunächst die Schwierigkeiten, überhaupt erstmal die richtige Version zu finden. Er verbindet damit die Hoffnung, uns über diese Hürde hinwegzuhelfen, denn es lohnt sich, sagt er. Der Hintergrund ist schnell erklärt: ALM und die Möglichkeit, SQL-Server-Projekte mit Quellcodeverwaltung zu verwalten. Dies erfolgt mit Git. Oh Wunder, nicht VSS oder TFS?

Der größte Teil seines Vortrages besteht aus einer umfangreichen Demonstration. Manchmal dauert es einfach eine Weile, bis ein Befehl ausgeführt ist. Die Wartezeit überspielt der Schnellsprecher gelegentlich in ungewohnter Weise, indem er nömlich einfach mal etwas langsamer spricht. Doch Langsamkeit ist nicht sein Ding, daher vielleicht auch sein heutiger Lieblingsspruch „Starten und Warten reimt sich nicht ohne Grund“.

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SNEK4: Statistiken – Ausführungspläne (Uwe Ricken)

Uwe RickenUwe Ricken unterstützt als „DB-Berater“ (Twitter: @dbberater) seit vielen Jahren Kunden beim Umgang und der Optimierung des Microsoft SQL-Servers. Unerwartetes Verhalten ist ihm nicht fremd, und so überspielt er souverän die anfänglichen Zickereien unseres Beamers. Karl witzelt „das ist ein hochintelligentes Gerät“, will heißen, der Beamer macht was er will.

Ohne Statistiken keine sinnvolle Abarbeitung von Abfragen und Aktionen. Vergleich Kaufhaus: Türsteher weist uns den Weg, wo welche Waren sind, und gibt an, wie viel davon am Lager ist. Was passiert, wenn er einen alten Zettel hat und die Zahlen sich längst verändert haben? Vergleich Einkaufskorb: Wenn dieser zu klein ist, müssen mehrere Wege gemacht werden. Das kostet Zeit und Ressourcen. Beim SQL-Server kann es dann passieren, dass eine simple Abfrage 3 Stunden dauert. Daher müssen Statistiken immer aktuell sein. Die entsprechende Einstellung (AUTO_UPDATE_STATISTICS) ist allerdings datenbankbezogen. Statistiken beeinflussen also den Ausführungsplan, da die Information über die Anzahl Datensätze enorm wichtig für dessen Optimierung ist.

Demo mit vielen Details.

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Bahn live

IMG_20150424_114511-01Ein pünktlicher ICE trotz zweier vorangegangener Streiktage, das ist erfreulich. Internet im ICE jedoch immer noch wenig vorhanden. Die Mobilfunkverbindung wird fast in jedem Tunnel unterbrochen, und um extra nochmal für 4,95 € am Tag ein Voucher von der Telekom zu kaufen fehlt mir die Motivation. Dank Evernote kann ich trotzdem weiterschreiben, lese zwischendurch auf dem Smartphone eine eMail über den Erfolg des Bitcoins. Christoph Bergmann hat auf www.bitcoins.de einen sehr interessanten Artikel dazu geschieben.

Das alles geht natürlich nicht ohne Internetverbindung, aber wenigstens muss sie nicht permament sein. Sobald ich am nächsten Bahnhof stehe, wird dieser Artikel in die Evernote-Cloud hochgeladen und steht mir dann auf meinem heimischen PC zur Weiterverarbeitung als Blogartikel zur Verfügung. Würde die WordPress-App funktionieren, wäre dies alles sogar direkt darin möglich: Offline schreiben, korrigieren, Bilder ergänzen und anschließed den fertigen Artikel hochladen, wenn eine Verbindung besteht. Doch leider kann die App sich derzeit nicht mit selbstgehosteten WordPress-Installationen verbinden.

Die des öfteren gezeigte Werbung eines emsig arbeitenden Herrn im Anzug, der am Fenster eines ICEs sitzt, ist zumindest in Teilen nicht ganz praxisgerecht. Denn das Internet mogelt sich immer stärker in unser Leben, so dass es nur natürlich wäre, auch unterwegs online sein zu können.

Währenddessen rauscht die Welt draußen bei strahlendem Sonnenschein an mir vorbei — und alles Wissen mit ihr.

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SNEK4 — wieder dabei

In wenigen Tagen ist es so weit: Die SNEK öffnet ihre Pforten! Diesmal wieder mit einem Tag SQL-Server und einem Tag Dotnet-Themen. Ich bin gespannt, was uns diesmal erwartet.

Mit etwas Glück wird es wieder (quasi-)Live-Berichte geben, ab und zu vielleicht auch einen Tweet (@chjuengling).

Leider ist die Veranstaltung schon ausverkauft, so dass ein Werbelink hier auch ichts mehr nützt.

 

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Unternehmensführung quergedacht

Der Agile Monday Kassel stand diesmal unter einem ungewöhnlichen Motto. 18 Köpfe zählte ich gegen 19:00 h, die meisten davon neue Gesichter. Uwe Lübbermann von der Firma PREMIUM führte durch den Abend. Das Thema „Angewandte Konsensdemokratie“ klingt zunächst etwas abgehoben. Doch es wird keine politische Diskussion, die Landes- oder Bundespolitik spielt heute Abend keine Rolle. Es geht vielmehr um eine — zugegeben etwas unkonventionelle — Unternehmenskultur.

Premium-Cola
Uwe Lübbermann (stehend) Foto: Patrick Koglin

PREMIUM, ein Dienstleister für die Getränkebranche, existiert seit 13 Jahren. Von Beginn an hat Uwe Lübbermann (Twitter, Facebook) das Prinzip der Augenhöhe in seinem Unternehmen praktiziert. Das Wichtigste dabei ist die Vertrauensbasis. Es gibt keine schriftlichen Verträge, die alles haarklein regeln. Handschlag genügt, man versteht sich. Das geht sogar soweit, dass auch freiberufliche Kräfte eine Art Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhalten. Es versteht sich von selbst, dass dieses Prinzip nur funktionieren kann, wenn alle mit machen und niemand versucht, das System auszunutzen.

Alle sind gleich

Gleiche Löhne von 16 €/h über alle betrieblichen Positionen sind ebenfalls ein revolutionärer, ja fast sozialistischer Ansatz. Auch dass über den Lohn (auch den des Inhabers) abgestimmt wird, führt zu einigen überraschten Ausrufen. Lübbermann erklärt dann seinen Denkansatz, der entscheidend mit der Frage „Was ist eigentlich Demokratie?“ verbunden ist. Er bringt dies an einem einfachen Beispiel auf den Punkt: Würde sich die Mehrheit im Raum dafür aussprechen, einen Einzelnen zu verprügeln, dann wäre das vielleicht (juristische Implikationen mal beiseite gelassen) gemäß unseres üblichen Demokratieverständnisses akzeptabel. Aber für den, der darunter zu leiden hat, sieht die Sache verständlicherweise anders aus.

Echte Demokratie?

Demokratie als Recht der Mehrheit geht fast immer zu Lasten der Minderheit. Konsensdemokratie jedoch, so Lübbermann, heißt, dass bei einer Abstimmung kein Veto mehr bleiben soll. Wenn doch, wird weiter nach einem Konsens gesucht. Alles, was nicht ausdrücklich als „Veto“ geäußert wird, gilt als Zustimmung. Diese kann aktiv geäußert werden, aber auch verdeckte Zustimmung in Form von Nicht-Beteiligung (Enthaltung) oder aufrechterhaltenen Bedenken ist erlaubt. Niemand muss abstimmen, doch Schweigen bedeutet Billigung.

Das Prinzip des „Veto“ (lat. „ich verbiete es“) ist keine neue Erfindung. Wie wir aus dem Geschichtsunterricht wissen, war es bereits im römischen Reich Usus. Jedes Senatsmitglied konnte sein Veto einlegen, was zur Folge hatte, dass die Entscheidung nicht umgesetzt wurde. Dann musste eben weiter diskutiert werden. Auch die UN kennt ein Vetorecht, beschränkt es jedoch auf nur wenige Nationen.

Bei der Konsensdemokratie sind alle gleich: Chef, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, ja selbst die Putzfrau darf mit diskutieren und abstimmen, wenn es z.B. um den Lohn geht oder die Farbe der Briefumschläge des Unternehmens.

Klügere, stabilere und sozialere Entscheidungen

Das erklärte Ziel ist, klügere und vor allem sozialere Entscheidungen zu treffen, die auch langfristig stabil sind. Dennoch darf jede Entscheidung immer wieder in Frage gestellt werden. Das ist sinnvoll und notwendig, da manche Entscheidungen auf äußeren Einflussfaktoren (wie z.B. Wechselkurse) basieren, und diese ändern sich nun mal gelegentlich. Ein ähnliches Prinzip findet sich übrigens in den vorgeblichen „Internet-Standards“, die in sog. „RFCs“ festgelegt sind. RFC bedeutet aber eben „request for comment“, und Kommentare sind zu jedem Zeitpunkt möglich. Im Grunde genommen gibt es so etwas wie einen festgelegten Standard bei Netzwerktechniken also gar nicht. Alles ist im Fluss, pantha rhei.

Wie macht man das also? Eigentlich ist es ganz einfach. Uwe Lübbermann skizziert die folgenden Schritte:

  1. Ziel festlegen
  2. Themeneingabe
  3. Diskussion
  4. Beschlussvorschlag
  5. Abstimmung (voll einverstanden, leichte oder schwere Bedenken, Enthaltung, Veto)

Alles außer einem Veto gilt dabei als Ja.

Das geht auch mit einem Diskussionsboard wie phpBB, was nebenbei den Vorteil hat, dass sowohl die Argumente, als auch die Abstimmungsergebnisse automatisch dokumentiert werden und so jederzeit und für jeden nachvollziehbar sind.

Praxis

Es folgen ein paar Übungen, in denen z.B. jeweils 6 Teilnehmer in eine WG mit 6 Zimmern einziehen sollen. Jedes Zimmer hat gewisse Vor- und Nachteile, und es gilt, einen Konsens zu finden, so dass sich keiner benachteiligt fühlt. Die Diskussionen sollten auf „Augenhöhe“ stattfinden, was zum Beispiel bedeutet, dass man den anderen ausreden lässt, ihm nicht ins Wort fällt oder im wahrsten Sinne „Über-Stimmt“. Dass das im Eifer des Gefechts nicht immer ganz einfach ist und oft der oder die stimmgewaltigste im Vordergrund steht, ist uns allen wohl aus der täglichen Praxis hinlänglich bekannt. Je nach Gruppenzusammensetzung kann hier der Eingriff eines Moderators erforderlich sein, um die Wogen zu glätten.

Doch trotz aller Unterschiede war es jeweils möglich, in erstaunlich kurzer Zeit einen Konsens zu erreichen. Sei es ein echtes Ergebnis oder eine Strategie, wie die Gruppe weiter vorgehen will.

Fazit

Das, was für manchen, der eine hierarchische Struktur gewöhnt ist, überraschend klingt, kann durchaus funktionieren. Eine angenehme Diskussionskultur, das Teilen wichtiger (wenn nicht sogar aller) Informationen, und letztlich der unbedingte Wille, „an einem Strang“ zu ziehen, das ist der Kleber, der eine Konsensdemokratie zusammenhält. Ähnlichkeiten zu den Agilen Techniken wie z.B. Scrum sind dabei offensichtlich. Essentiell ist in jedem Fall, dass die richtigen Leute zusammen sind, und diese sich über die gemeinsame Struktur einig sind.

Aber das ist im Grunde auch keine wirklich neue Erkenntnis.

Links:

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Der Bedenkenträger

Patricks Aufruf zur Blogparade über den „Project Manager from Hell“ folge ich nur zu gerne, da ich vor längerer Zeit über einen Kollegen gestolpert bin, und dies schon länger einmal zum Besten geben wollte. Es ist nicht unbedingt der Projektmanager, der aus der Hölle stammen muss. Ältere Kollegen haben manchmal auch recht großen Einfluss.

„Blockadehengst“ habe ich ihn inoffiziell genannt, „Bedenkenträger“ hielt mir statt dessen ein Berater entgegen. Solche Leute müsse man ernst nehmen, denn sie würden es ja auch ernst meinen. Mangels einer eindeutigen Entscheidung nenne ich ihn einfach mal Herr B.

Herr A. wiederum, der Protagonist in diesem Szenario, hat eine neue Idee vorgeschlagen. Sie wäre revolutionär, würde eine Menge Zeit sparen und auch weniger Leute auslasten als bisher. Wenn nicht …

„Das kann nicht funktionieren!“ schallt es aus einer Ecke des runden Tisches. Sofort folgen die automatischen Antworten „aber klar doch“ und „selbstverständlich“. Hell wie ein Glockenschlag ertönt ein zaghaftes „Warum?“ von Herrn A. Doch Herr B. hat die Runde fest im Griff, mit solchen Antworten kennt er sich aus. „Weil das nicht geht!“ formuliert er mit fester Stimme. Als ob mit zwei Plattitüden mehr gesagt wäre als nur mit einer.

„Warum nicht?“ Diesmal etwas lauter. Oha, da will jemand konkrete Informationen. „So nicht“, denkt sich Herr B. und kontert sofort mit dem Totschlagargument schlechthin: „Das geht nicht, glauben Sie mir, ich weiß das! Wir machen das schon seit 30 Jahren anders, und das bleibt auch so!“

Aber Herr A. lässt nicht locker, und die anderen Teilnehmer wollen langsam auch mehr wissen. „Das haben wir noch nie so gemacht!“ kontert Herr B. und wendet sich demonstrativ dem Flipchart zu, um zum nächsten Punkt zu kommen. Er ist sicher, dass nun alles geklärt ist.

„Wie können Sie dann wissen, dass es nicht geht, wenn Sie es noch nie gemacht haben?“

Nun wird es ernst. Herr B. muss Farbe bekennen. „Macht doch, was Ihr wollt, Ihr werden schon sehen!“

Jetzt lenkt Herr A. ein, denn es könnte ja sein, dass er hier gegen den Willen eines Kollegen etwas durchboxt. Wenn das schief geht, fällt es auf ihn zurück und Herr B. hat „es ja gleich gewusst“. Funktioniert es, hat Herr B. es natürlich ebenfalls „gleich gewusst“ und die Idee von Anfang an unterstützt. Und keiner wagt, ihm das Gegenteil vorzuhalten.

Alles bleibt beim Alten. Und dabei haben wir noch gar nicht von den persönlichen Angriffen gesprochen.

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BahncardDass es inzwischen kaum noch um die Bahncard selbst geht, ist sicher jedem klar geworden. Ich behalte die Überschrift dennoch bei, der alten Zeiten wegen :-)

Nach dem bisher letzten Akt (siehe Teil 5) kam wenige Tage darauf noch ein Brief von der Bank. Offenbar war man nun überzeugt, dass mein Einkommen ausreichend sei. Nun sollte ich noch eine SEPA-Lastschrifterlaubnis unterschreiben. Klar, dass man sowas machen muss, aber hier entsteht der Eindruck, als ob ich noch niemals etwas mit der Commerzbank zu tun gehabt hätte. Dabei besitze ich doch gerade noch eine Bahncard-50 mit Kreditkartenfunktion derselben Bank.

Das muss wohl am Computerprogramm liegen. Und mit Computern kann man bekanntermaßen nicht diskutieren.

Nun warte ich darauf, was als nächstes kommt. Ehrlich gesagt: Ich habe schon fast keine Lust mehr, überhaupt noch Bahn zu fahren. Ich meine, wenn man ja wüsste, dass sie das (das Fahren) auch wirklich tun, und nicht mal wieder Streiken. Inzwischen gibt es doch so viele Gewerkschaften, da findet sich immer eine, die zum Streik aufruft. Und egal ob es Lokführer, Kontrolleure oder die Bordbistro-Crew ist: Entweder alle sind an Bord oder nix geht mehr.

Aber das ist natürlich ein anderes Thema.

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BahncardDie Odyssee ist noch nicht zu ende. Inzwischen stellte sich heraus, dass ich bei dem Antrag für die neue Bahncard die Frage nach meinem Einkommen etwas zu kreativ beantwortet hatte. Da ich als Selbständiger naturgemäß kein geregeltes Einkommen habe, sondern dieses von Monat zu Monat schwankt, habe ich mehrere Kreuze gemacht. Mehrere Kreuze sind aber offenbar genauso gut wie gar keine Kreuze, so dass ich wenige Tage später dann eine Aufforderung der Bank erhielt, mein Einkommen genauer anzugeben, notfalls halt als Durchschnittswert.

Gesagt – getan. Und das war’s dann? Weit gefehlt :-)

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