Der Bedenkenträger

Patricks Aufruf zur Blogparade über den „Project Manager from Hell“ folge ich nur zu gerne, da ich vor längerer Zeit über einen Kollegen gestolpert bin, und dies schon länger einmal zum Besten geben wollte. Es ist nicht unbedingt der Projektmanager, der aus der Hölle stammen muss. Ältere Kollegen haben manchmal auch recht großen Einfluss.

„Blockadehengst“ habe ich ihn inoffiziell genannt, „Bedenkenträger“ hielt mir statt dessen ein Berater entgegen. Solche Leute müsse man ernst nehmen, denn sie würden es ja auch ernst meinen. Mangels einer eindeutigen Entscheidung nenne ich ihn einfach mal Herr B.

Herr A. wiederum, der Protagonist in diesem Szenario, hat eine neue Idee vorgeschlagen. Sie wäre revolutionär, würde eine Menge Zeit sparen und auch weniger Leute auslasten als bisher. Wenn nicht …

„Das kann nicht funktionieren!“ schallt es aus einer Ecke des runden Tisches. Sofort folgen die automatischen Antworten „aber klar doch“ und „selbstverständlich“. Hell wie ein Glockenschlag ertönt ein zaghaftes „Warum?“ von Herrn A. Doch Herr B. hat die Runde fest im Griff, mit solchen Antworten kennt er sich aus. „Weil das nicht geht!“ formuliert er mit fester Stimme. Als ob mit zwei Plattitüden mehr gesagt wäre als nur mit einer.

„Warum nicht?“ Diesmal etwas lauter. Oha, da will jemand konkrete Informationen. „So nicht“, denkt sich Herr B. und kontert sofort mit dem Totschlagargument schlechthin: „Das geht nicht, glauben Sie mir, ich weiß das! Wir machen das schon seit 30 Jahren anders, und das bleibt auch so!“

Aber Herr A. lässt nicht locker, und die anderen Teilnehmer wollen langsam auch mehr wissen. „Das haben wir noch nie so gemacht!“ kontert Herr B. und wendet sich demonstrativ dem Flipchart zu, um zum nächsten Punkt zu kommen. Er ist sicher, dass nun alles geklärt ist.

„Wie können Sie dann wissen, dass es nicht geht, wenn Sie es noch nie gemacht haben?“

Nun wird es ernst. Herr B. muss Farbe bekennen. „Macht doch, was Ihr wollt, Ihr werden schon sehen!“

Jetzt lenkt Herr A. ein, denn es könnte ja sein, dass er hier gegen den Willen eines Kollegen etwas durchboxt. Wenn das schief geht, fällt es auf ihn zurück und Herr B. hat „es ja gleich gewusst“. Funktioniert es, hat Herr B. es natürlich ebenfalls „gleich gewusst“ und die Idee von Anfang an unterstützt. Und keiner wagt, ihm das Gegenteil vorzuhalten.

Alles bleibt beim Alten. Und dabei haben wir noch gar nicht von den persönlichen Angriffen gesprochen.


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AuthorChristoph Jüngling

Selbständiger Softwareentwickler und Seminarleiter

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